Aktuelles aus unseren Kirchengemeinden

Predigt zu "CHRISTI HIMMELFAHRT", 21. Mai 2020, Pfarrer Gernot Hübner, Niederdünzebach

Do 21.05.2020 12:00
Niederdünzebach, an Christi Himmelfahrt, den 21. Mai 2020

"Ich bitte aber ...für die, die durch ihr Wort an mich glauben werden,
damit sie alle eins seien. Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir, so sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaube, dass du mich gesandt hast.
Und ich habe ihnen die Herrlichkeit gegeben, die du mir gegeben hast, damit sie eins seien, wie wir eins sind, ich in ihnen und du in mir, damit sie vollkommen eins seien und die Welt erkenne, dass du mich gesandt hast und sie liebst, wie du mich liebst."
Johannes 17, 20-23

Liebe Gemeinde!

Jesus betet hier für die christliche Gemeinde. Er betet für diejenigen, die durch die Verkündigung der Apostel zum Glauben gekommen sind. Er betet, "damit sie alle eins seien". Wie hören wir das in dieser Zeit, in der schmerzhaft deutlich wird, dass die Menschen sich in vielen Dingen ganz und gar nicht "eins" sind? Wir hören wir das in einem Land, in dem wir - weltweit gesehen - bisher vergleichsweise glimpflich durch die Corona-Krise gekommen sind, weil sich doch sehr viele Menschen an die Weisungen und Auflagen gehalten haben. Müssen wir nicht sagen: "Gott sei Dank waren sich doch viele eins!" Was hätte uns blühen können, wenn von Anfang an eine große Uneinigkeit zu chaotischem und rücksichtslosem Verhalten geführt hätte? Das ist ja das Gegenteil von Einigkeit oder Einssein, wenn jeder meint tun zu können, was er will, ohne Rücksicht auf andere.

Jesus betet für die Gemeinde. Einheit, Einigkeit, Einssein ist offensichtlich nicht selbstverständlich. Dafür muss gebetet werden! Das müssen wir uns immer wieder vor Augen halten. Es ist und bleibt immer wieder neu eine Aufgabe und Verantwortung. Einheit, Einigkeit und Einssein sind nicht selbstverständlich. Sie erfordern ständiges Bemühen darum. Und dieses Bemühen kostet Kraft und braucht Kraft. Es braucht in dem Bemühen einen Geist, der Verbundenheit herstellt und die Freude daran wachsen lässt. Einheit, Einigkeit, Einssein, die Erfahrung von Verbundenheit soll Freude machen. Es soll schön sein, sich mit anderen eins zu wissen, verbunden zu sein. Lebensfreude erwächst ja aus der Erfahrung von Gemeinschaft, aus der Erfahrung nicht allein zu sein, aus der Erfahrung, einander zur Seite zu stehen. Jesus betet für die Gemeinde. Jesus betet für uns! Es tröstet, es ermutigt und schenkt Freude, wenn wir hören, dass jemand für uns betet. Es tut uns gut, zu wissen, dass jemand an uns denkt, dass unser Ergehen anderen wichtig ist. Dass wir anderen etwas bedeuten. Beten tut gut. Beten schenkt Kraft. Im Gebet verbinden wir uns mit Gott, mit seiner schöpferischen Macht und Kraft. Im Beten für andere verbinden wir uns mit ihnen. So hat Jesus gelebt und geliebt, aus seiner Verbindung mit Gottes schöpferischer Lebenskraft und in der Verbindung mit anderen, vor allem den Schwachen und Kranken! Wir sollen nun auch aus dieser Kraft schöpfen und ebenfalls aus ihr leben und lieben. "Und ich habe ihnen die Herrlichkeit gegeben, die du mir gegeben hast, damit sie eins seien, wie wir eins sind, ich in ihnen und du in mir, damit sie vollkommen eins seien und die Welt erkenne, dass du mich gesandt hast und sie liebst, wie du mich liebst."

Einheit, Einigkeit und Einssein meinen dabei aber nicht, dass alle das gleiche denken und meinen. Es geht gewiss nicht um Einheitlichkeit, nicht um Unterschiedslosigkeit. Das ist das Wesen und das Geheimnis und Wunder der Liebe, dass sie Menschen in ihrer Verschiedenheit annimmt und Menschen über ihre Unterschiede und Verschiedenheiten hinweg verbindet. Nur die Liebe schafft es, den anderen in seiner Verschiedenheit anzusehen, anzunehmen und wert zu schätzen und sich dennoch mit dem anderen zu verbinden. Wir wissen ja, wie schwer das ist, mit denen, die anders sind, anders denken, anders leben als wir, auszukommen. Ist es nicht ein Wunder, dass die Liebe es schafft, Menschen über die Verschiedenheiten hinweg zu verbinden? Sie mit Ihren Unterschiedlichkeiten einzubinden? Was für eine Macht, was für eine Kraft ist die Liebe! Sie ist wahrhaft göttlich. Sie ist eine wahrhaftige Kraft. Wir haben es in dieser Krisenzeit allüberall gesehen, was das auslöst, wenn Menschen anderen Menschen über alle Verschiedenheiten hinweg beistehen, für sie da sind, sie nicht allein lassen. Wie schön ist es, wenn Menschen ihre unterschiedlichen Gaben und Begabungen füreinander einbringen! Es gab bisher so viele und vielfältige ermutigende Initiativen und Aktionen. Warum tun Menschen das? Darf man es nicht so nennen. Aus Liebe?!! Darf man es nicht so nennen: in einem guten, schöpferischen, heilsamen und, ja, heilenden Geist? In "heiligem" Geist? Geschehen alle diese Initiativen und Aktivitäten nicht aus Lebenswillen und Lebensfreude? Ist da nicht diese göttliche Liebe in den Menschen und verbindet sie miteinander? Ist da nicht liebevolle, schöpferische, kreative, göttliche Verbundenheit? Wo ist Gott? Er ist am Wirken, Heiliger Geist ist unter uns, wenn Menschen über ihre Verschiedenheiten hinweg einander beistehen. "..damit sie eins seien, wie wir eins sind, ich in ihnen und du in mir, damit sie vollkommen eins seien und die Welt erkenne, dass du mich gesandt hast und sie liebst, wie du mich liebst."

Gott sandte seinen eingeborenen Sohn aus Liebe zur Welt. Der Sohn liebt den Vater und die Welt. Die Welt, in Gestalt der Gemeinde, liebt den Sohn und den Vater. Alles geschieht und wird verbunden im Heiligen Geist. Liebe Gott und deinen Nächsten, wie dich selbst. In diesem dreifachen Gebot, in dieser dreifachen Verbundenheit liegt das ganze Leben, Himmel und Erde, Zeit und Ewigkeit.

Himmelfahrt! Mit der Erzählung von der Himmelfahrt Jesu verbindet sich die Übertragung der Aufgabe und Verantwortung Jesu auf die Jünger und Jüngerinnen, auf die Gemeinde in der Welt. Als Vermächtnis kündet Jesus den Heiligen Geist an. Er lässt seine Menschen nicht allein und ohne Kraft. Der Auferstandene bleibt ihnen gegenwärtig im Heiligen Geist. Er bleibt ihnen gegenwärtig in schöpferischer Lebenskraft. Er bleibt ihnen gegenwärtig in der Macht und Kraft der Liebe. An Pfingsten traf dieser Geist ein, traf auf die Trauer des Abschieds und die Sehnsucht nach der Erneuerung. Himmelfahrt war der Abschied und das Versprechen, dass trotz trennendem Raum und trennender Zeit eine Verbundenheit bleiben wird, immer wieder neu. Wir erleben das in dieser Corona-Krisenzeit: Über trennenden Raum und trennende Zeit hinweg lässt sich Verbundenheit erfahren und leben. Inmitten der Krise gibt es vieles, das Freude und Dankbarkeit hervorruft. Wir sollten das sehen und wahrnehmen, allen Uneinigkeiten zum Trotz. Wir sollten das sehen und wahrnehmen als Ermutigung und zum Widerstand gegen alle Mächte, die auf Trennung und Spaltung aus sind, die Hass und Gewalt säen. Für diesen liebevollen Widerstand braucht es Kraft. Jesus betet für uns. Wir beten auch. Wir schöpfen Kraft. Immer wieder. Tag für Tag, Sonntag für Sonntag. Allein, im Kämmerlein und miteinander im Gottesdienst. Für uns und für andere. Zur Ehre Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Wir sind umhüllt und durchdrungen von seiner Liebe. "…damit sie eins seien, wie wir eins sind, ich in ihnen und du in mir, damit sie vollkommen eins seien und die Welt erkenne, dass du mich gesandt hast und sie liebst, wie du mich liebst." Das wollen wir weitergeben an die Welt. Gott gebe uns dazu Kraft.
Amen.

Bleiben Sie behütet!
Ihr Pfarrer Gernot Hübner

» zurück