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Gottesdienst: Gedenkwoche für Catharina Rudeloff und Martha Kerste

So 28.10.2007
"Denk an die Tage der Vergangenheit, lerne aus den Jahren der Geschichte!" (5. Mose 32,7)
An dieses Vermächtnis des Mose an das Volk Israel wurde im Gedenkgottesdienst für Catha-rina Rudeloff und Martha Kerste, die im Jahr 1657 in Eschwege als "Hexen" hingerichtet wurden, erinnert.
Der Gottesdienst wurde im Rahmen der Gedenkwoche für diese beiden Frauen am 28. Okto-ber in der Neustädter Kirche St. Katharina in Eschwege gefeiert.

Der Gottesdienst wurde vorbereitet und geleitet von Dekan Dr. Martin Arnold, der die Pre-digt hielt, der Leiterin der Ev. Familienbildungsstätte Irma Bender, Prädikantin Annemarie Mihr und Pfarrer Heinrich Mihr.

Es wurde an das unendliche Leid der in Eschwege damals verurteilten Frauen erinnert. Das Motiv des Einladungsblattes deutet an, woher diese von Menschen umstellten Frauen ihre Hoffnung hatten. Sie lag im Kreuz Jesu. Dieses Kreuz ist im Bild nach oben hin geöffnet, zu Gott hin.

Im Gottesdienst wurde aber auch daran erinnert, dass immer wieder im Laufe der Geschichte und auch heute noch Menschen Ausgrenzung erleben. Auch heute noch werden Menschen zu "Sündenböcken" gemacht. Außenseiter wurden und werden immer wieder zu Schuldigen er-klärt.
Christinnen und Christen haben die Verpflichtung, die Vergangenheit nicht zu verdrängen und mit dem Wissen um die Vergangenheit, die Gegenwart zu verstehen und die Zukunft menschenwürdig - und damit nach Gottes Willen - zu gestalten.

In dem Gottesdienst wurden Catharina Rudeloff und Martha Kerste rehabilitiert, unter ande-rem dadurch, dass eine Gedenkschrift am Altar enthüllt wurde.
Damit sollte ihnen ihre Würde als Menschen und als Christinnen zurückgegeben werden. Eine kleine Tafel im Vorraum der Kirche soll in Zukunft daran erinnern. Sie enthält folgenden Text:
"Catharina Rudeloff und Martha Kerste wurden am 30. Oktober 1657 in Eschwege unter dem Vorwand der Hexerei hingerichtet. Wir sind mit ihnen verbunden im christlichen Glauben.
Im Gedenkgottesdienst am 28. Oktober 2007 haben wir sie rehabilitiert.
Catharina Rudeloff und Martha Kerste wohnten im Bereich der heutigen Stadtkirchengemein-de. In den Verhören haben die angeklagten Frauen immer wieder ihren christlichen Glauben bezeugt. Martha Kerste bat in ihrem letzten Verhör ‚Gott, den Allmächtigen, aller Menschen Kinder vor dergleichen Unglück zu behüten’. Catharina Rudeloff bekannte: ‚Ich weiß, dass Jesus Christus mein Erlöser ist.’ Sie rief unmittelbar vor ihrem Tod mehrere Male laut ‚Herr Jesus!’ Unter Folter wurden beide gezwungen, Christus zu verleugnen."

Aus dem Fürbittengebet im Gedenkgottesdienst:

Herr Jesus Christus,
Du hast die Menschen selig gepriesen, die in dieser Welt leiden,
du hast die selig gepriesen, die anderen barmherzig und friedfertig begegnen.
Ermutige uns, in deinem Namen einzutreten
für alle, die ausgegrenzt werden und verachtet sind und nach Gerechtigkeit hungern.

Gott, wir bitten Dich:
Öffne unsere Ohren für die ohnmächtig Klagenden.
Öffne unsere Augen für die ungerecht Leidenden.
Öffne unsere Hände für die unwürdig Verachteten -
In unseren Gemeinden, in unserer Stadt,
in unserem Land, auf deiner geliebten Erde.

In der Stille denken wir an die Menschen,
die zu "Sündenböcken" gemacht werden,
weil es manchmal keine Erklärung gibt für menschliches Leid,
für gesellschaftliche Probleme,
weil man ein Opfer braucht, um entlastet zu sein: ---
Gott, steh ihnen bei mit der Kraft deines Geistes,
und verschaffe ihnen Recht.

In deinem Namen wollen wir heilen, was verletzt ist.
In deinem Namen wollen wir stärken, was geschwächt ist.
In deinem Namen wollen wir hüten, was lebendig ist.
In deinem Namen. Amen.
Rehabilitation der beiden unter dem Vorwand der Hexerei verbrannten FrauenTitelbild für die Gedenkwoche von der Künsterlerin Christiane Mosler

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