Aktuelles aus unseren Kirchengemeinden

Der Evangelist mit dem Laptop

Mo 17.04.2006
Ein besonderes Theaterereignis stand im Mittelpunkt des Ostermontaggottesdienstes der Eschweger Kirchengemeinden in der Marktkirche. Mit einem biblischen Theaterstück aus der Feder von Professor Walter Hollenweger (Zürich) und in der Inszenierung von Estella Korthaus (Freiburg) wird die spannungsreiche Geschichte des frühen Christentums in die Gegenwart hineingezogen. Lukas, Arzt in Diensten der römischen Armee (Hans Deist), will der Geschichte Jesu auf den Grund gehen. Mit dem Laptop unter dem Arm befragt er die alt gewordene Miriam (Irma Bender), die Mutter Jesu, die soeben aus dem brennenden Jerusalem flieht. Miriam, die in dem Stück von vier verschiedenen Schauspielerinnen dargestellt wird, ist allerdings sehr kritisch dem Fremden gegenüber, der sich für ihren Sohn interessiert.
Mit der Beatles-Melodie "Yesterday" leitet das Orchester unter Leitung von Kirchenmusikdirektorin Susanne Voß über zu einer Rückblende. Unter dem Kreuz Jesu diskutiert Miriam (Nicole Reimuth) mit dem schriftgelehrten Professor Gamaliel, der im weißen Kittel auftritt (Torsten Exner), und Petrus, der Latzhose und Gummistiefel trägt (Matthias Keudel), über die Ursache für Jesu Kreuzigung. Auch Doktor Simon, ein Pharisäer (Arnd Brüssler), beteiligt sich an dem Streitgespräch, das mit dem Todesschrei Jesu sein Ende findet.
Doch dies ist nicht das Ende. Miriam (Judy Pickard) erkennt in einer Vision, dass Jesus lebt und Menschen in seine Nachfolge ruft. Aber welche Regeln gelten für die Nachfolge Jesu? Jetzt kommt der Apostel Paulus (Rainer Koch) ins Spiel. Er vertritt, anders als Miriam und Petrus, ein freies Verständnis der Nachfolge, das etwa die jüdischen Speisevorschriften nicht mehr für verbindlich ansieht. Jeder Mensch, ob Römer oder Grieche, kann Christ sein, ohne vorher Jude werden zu müssen. Miriam (Ulrike Arnold) und Petrus geht diese Freiheit zu weit, sie vermuten Beliebigkeit. Das Stück endet mit der Frage Miriams: "Wohin führt diese Aushöhlung der Autorität unserer Väter und unserer Mütter?"
Der Inszenierung gelingt es, die spannende Geschichte des frühen Christentums lebendig werden zu lassen. Selten wurden die Ergebnisse der historisch-kritischen Arbeit am Neuen Testament so elementar und kraftvoll in einem Gottesdienst in Szene gesetzt.

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