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Die St. Martinskirche zu Hoheneiche

Fr 04.06.2004 20:39
Als der Reformator Dr. Martin Luther auf dem Wege zum Marburger Religionsgespräch am 27. September 1529 durch Hoheneiche kam, wird er wohl auf den wehrhaften Turm (1. Hälfte des 14. Jahrhunderts) einer mittelalterlichen Landkirche geblickt haben.
Der für unsere Gegend typische Fachwerkaufbau mit Krüppelwalmdach und Dachreiter stammt erst aus dem 16. Jahrhundert (im Gebälk datiert 1562). Der massive Teil des Turmes ist 12,80 m hoch, die Schießscharten deuten auf den wehrhaften Charakter des Turmes hin. Zusammen mit Glockenstube und Dachreiter erreicht er eine Höhe von 23 m. In der Glockenstube hängen 3 Glocken: die kleinere ist 1828 von Henschel in Kassel, die mittlere und große Glocke sind 1953 von Junker in Brilon gegossen worden.

Das Kirchenschiff ist im Kern romanisch, es erreicht eine Länge von 13,20 m und eine Breite von 8,38 m. Das Mauerwerk hat eine Stärke von 0,84 m, ein für mittelalterliche Landkirchen geläufiges Maß.
In der Nord- und Südwand der Kirche finden sich zugesetzte romanische Fensterbögen, die nach der letzten Außenrenovierung 1981 wieder freigelegt wurden.
In der Mitte der Nordwand befindet sich ein mächtiger Türsturz in Form eines halbkreisförmi-
gen Sandsteines, darauf ist ein heute weitgehend abgewittertes Relief mit Darstellung eines Kreuzes auf einem Weltbogen zu sehen.
Dies ist der originale Zugang zur hochmittelalterlichen Kirche (12. Jahrhundert).

Der Chorraum ist durch ein Kreuzgewölbe überfangen, dessen Schlussstein eine vierteilige Rosette zeigt. Im Chorraum waren ursprünglich spätgotische Fenster, deren Maßwerk heraus genommen wurde. Ein nach Osten gerichtetes Altarfenster wurde 1991 eingebaut. Es wurde von dem Glasmaler E. Jakobus Klonk aus Wetter bei Marburg entworfen und ausgeführt.

Einige Anmerkungen zur weiteren Ausstattung der Kirche seien angefügt:
Auf dem Taufstein ist die Jahreszahl 1571 eingraviert.
Die Kanzel entstand um 1660, die einzelnen Felder sind mit einer nach Renaissancemanier dekorierten Füllung ausgeschmückt.
Die barocke Orgel wurde 1730 von Johann Eberhard Dauphin aus Mühlhausen/Thüringen erbaut. Dauphin, Spross einer Hugenottenfamilie, war Schüler des bekannten Mühlhäuser Orgelbaumeisters Wender, der in Verbindung mit Johann Sebastian Bach stand.
Das ausgemalte Tonnengewölbe entstammt ebenfalls der 1. Hälfte des 18. Jahrhunderts.
An der Ostwand befindet sich unter dem Kirchenhimmel eine Wappenkartusche mit aufgesetzter Königskrone und dem Monogramm F. R.
Es handelt sich um das Monogramm des Landgrafen Friedrich von Hessen-Cassel, der ab 1730 regierte und durch Heirat König von Schweden war. (F. R. = Fridericus Rex).

Eine besondere Kostbarkeit stellt die Zeichnung J. W. von Goethes von der "Kirche in Hoheneiche bei Eschwege" dar. Auf der Rückreise von einer Pyrmonter Badekur legte der deutsche Dichterfürst am 21. 8. 1801 in Hoheneiche eine Rast ein. Zusammen mit Sohn August und Lebensgefährtin Christiane Vulpius speiste er im damaligen Gasthaus Eschstruth, gegenüber der Kirche, zu Mittag. Bei dieser Gelegenheit entstand die Zeichnung der Hoheneicher Kirche.

Im 20. Jahrhundert wurden zwei bedeutende Repräsentanten der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck in St. Martin zu Hoheneiche getauft und konfirmiert. Es sind dies:
Prälat Karl Hilmes (1907-1957) und Bischof D. Erich Vellmer (1910-1990).

Diesen Beitrag zur Hoheneicher Kirche erstellte Bernhard Hermann Roth, Hoheneiche, anlässlich des Aktionstages "Offene Kirchen im Kirchenkreis Eschwege" am 6. 6. 2004.
Fotos: Christoph Weidner
Weiterführende Literatur beim Verfasser.
AltarraumNordwandSchiffOrgel

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