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Kreissynode Eschwege: Keine weiteren Einschnitte in die Pesonalaustattung von Kindertagesstätten

Sa 27.09.2003
Stellungnahme der Kreissynode Eschwege zur Rahmenvereinbarung über Standards in Kindertagesstätten im Werra-Meißner-Kreis

In den vergangenen Monaten wurde im Werra-Meißner-Kreis eine Rahmenvereinbarung über Standards in Kindertagesstätten im Werra-Meißner-Kreis durch den Landkreis, die Kommunen sowie die freien Träger von Kindertageseinrichtungen erarbeitet und bis zur Unterschriftsreife gebracht. Allein um des hohen Wertes einer tragfähigen Übereinkunft willen und unter der Bedingung, dass alle Beteiligten den vorgelegten Text ratifizieren, hatte die Versammlung der Träger evangelischer Kindertageseinrichtungen auf einer Sitzung am 13.06.03 der Vereinbarung zugestimmt und den zuständigen Kirchenvorständen empfohlen, der Rahmenvereinbarung beizutreten. Damit sind die evangelischen Träger bis an den äußersten Rand der Kompromissmöglichkeit gegangen. Mittlerweile stellen jedoch Vertreter der kommunalen Körperschaften, insbesondere unter dem Duck ihrer Dachverbände, den Beitritt zur Rahmenvereinbarung in Frage.
Die Evangelische Kreissynode Eschwege begrüßt diese Vereinbarung als Ausdruck der gemeinsamen Bemühung, im Werra-Meißner-Kreis vergleichbare, verlässliche und ausreichende Rahmenbedingungen für eine qualifizierte Arbeit in Kindertagesstätten zu beschreiben. Die Kreissynode würdigt die Bereitschaft der kommunalen Vertreter, trotz der äußerst angespannten Finanzlage der Gemeinden Normen zu setzen, die über die Hessische Verordnung über Mindestvoraussetzungen in Tageseinrichtungen für Kinder vom 28. )uni 2001 hinausgehen. Sie möchte die kommunalen Entscheidungsträger ermutigen, diese Position auch gegen Kritik durchzustehen in dem Bewusstsein, dass eine gute Qualität der Betreuung und Bildung von Kindern eine Investition in die Zukunft aller darstellt. Der angestrebte Abschluss der Vereinbarung würde das weithin kooperative Verhältnis der Kommunen, Träger und Einrichtungen im Werra-Meißner-Kreis bestätigen.
Ausdrücklich bedauert die Kreissynode jedoch, dass es insbesondere aufgrund der schlechten kommunalen Finanzlage nicht möglich war, die Standards der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck im Blick auf die Freistellung der Kindertagesstättenleitung vom Gruppendienst sowie die Verfügungszeiten für die Erzieherinnen im Gruppendienst in die Rahmenvereinbarung einzubringen oder zumindest den nach diesen Standards ausgestatteten Kindertagesstätten Bestandsschutz zu gewähren. Leitungskontingente und Verfügungszeiten sind jedoch kein Luxus, sondern unerlässliche Zeiträume zur Vor- und Nachbereitung der Arbeit mit den Kindern ebenso wie für Elternarbeit, Teambesprechungen, Kommunikation mit Behörden, Öffentlichkeitsarbeit etc. Lind dienen mithin der umfassenden Qualitätssicherung der pädagogischen Arbeit. Die Kreissynode bekräftigt, dass die entsprechenden kirchlichen Standards Mindestvoraussetzungen für eine qualitativ ausreichende, an den Bedürfnissen der Kinder und der Gesellschaft orientierte pädagogische Arbeit darstellen. Die Kreissynode hält es für höchst problematisch, dass es in diesem Zusammenhang zu Personalabbau in den Einrichtungen kommen würde.
Die Kreissynode Eschwege stellt klar, dass die Evangelischen Träger nicht bereit sind, weitere Einschnitte in die Personalausstattung der Kindertagesstätten hinzunehmen. Sie bittet die Politiker in der Region, sich intensiv mit der Situation und den Erfordernissen einer modernen Pädagogik in Kindertagesstätten zu befassen und in ihrem Einflussbereich für deren Sicherung und Stärkung einzutreten. Sie appelliert an die kommunalen Spitzenverbände, die unverantwortliche Forderung nach einer Einschränkung der Standards in Kindertagesstätten aufzugeben zugunsten einer zukunftsgerichteten Förderung einer kinder- und familienfreundlichen Gesellschaft. Sie fordert die Gremien der Landeskirche auf, den Stellenwert der Kindertagesstättenarbeit erneut zu bekräftigen und das Engagement für diesen Bereich kirchlicher Arbeit zu stärken. Sie drängt darauf, den Einfluß kirchlicher Stellen geltend zu machen in der Bemühung um eine dauerhafte und ausreichende Personal- und Finanzausstattung der Kindertagesstätten. Sie bittet die Kirchenleitung, in Gesprächen mit verantwortlichen Politikern und in der Öffentlichkeit auf die Sorgen und Probleme der Kindertagesstätten im Blick auf eine restriktive Umsetzung der Hessischen Verordnung über Mindestvoraussetzungen in Tageseinrichtungen für Kinder vom 28. Juni 2001 hinzuweisen und vor den gesellschaftlichen Folgen eines Qualitätsverlustes in der Kindertagesstättenarbeit zu warnen.
Der Abschluss der genannten Rahmenvereinbarung ist und bleibt ein wichtiges Ziel, um angesichts des gewaltigen öffentlichen Einsparungsdrucks einen Konsens über Mindestausstattungsstandards in den Kindertagesstätten herzustellen und durchzuhalten. Dies geht nur gemeinsam. Einzeln sind sowohl Einrichtungen wie Träger wie Kommunen voraussichtlich dem Druck der leeren Kassen und der politischen Diskussion, in der Kindertagesstätten keine Lobby haben, erlegen. Die Kreissynode fordert daher die Vertreter der beteiligten Kommunen dringend auf, die getroffene Vereinbarung mitzutragen.

Eschwege, 26.09.2003
Pfarrer Christoph Dühr bringt die Stellungnahme in die Synode ein

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