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Kirchlichen Bestattungen fehlt «Attraktivität»

Mo 16.06.2003
Kassel (epd). Kirchlichen Bestattungen mangelt es oft an
«Attraktivität». Diese These vertrat Reiner Sörries, Direktor des
Museums für Sepulkralkultur, am Samstag bei einem Studientag der
Evangelischen Akademie Hofgeismar zum Thema «Die Religionen auf dem
Friedhof» in Kassel. Oft fange dies schon mit Terminschwierigkeiten an.
«Es gibt Bestattungen ohne Pfarrer, weil kein passender Termin gefunden
wird», kritisierte Sörries. Weltliche Trauerfeiern seien weit
verbreitet, in manchen Gegenden liege der Anteil der kirchlichen
Beerdigungen schon unter 20 Prozent.

Die Ursache für diese «Krise der Bestattung» liegt Sörries zufolge in
der Aufklärung. Sie habe ein neues Verständnis des Todes hervorgebracht.
Der Tod sei seither nicht mehr der Übergang in eine andere Welt, sondern
gelte als «großer Zerstörer, der einen Lebensentwurf zerstört», so Sörries.

Die Kirchen verschärften diesen durch die Aufklärung erlittenen Verlust,
wenn sie ihre Chancen und Möglichkeiten bei der Bestattung nicht
nutzten. So wäre es etwa denkbar, Kirchen für Trauerfeiern zu nutzen
oder kirchliche Friedhöfe besonders zu gestalten. «Unsere schönsten
Ritualräume werfen wir nicht in die Waagschale», erklärte Sörries im
Hinblick auf die Praxis, Trauerfeiern in Kirchen nur bei besonderen
Anlässen zu veranstalten.

Auch bei der Friedhofsgestaltung gebe es Versäumnisse: «Kommunale und
kirchliche Friedhöfe unterscheiden sich nicht», konstatierte Sörries.
Dabei sei rund die Hälfte aller Friedhöfe im Land in kirchlicher
Trägerschaft.

Gefordert sei auch die Theologie, so Sörries weiter. Hier finde die
Frage nach den letzten Dingen kaum noch Beachtung, die Begriffe Tod,
Gericht, Himmel und Hölle würden oft als gegenwärtige Erfahrungen
gedeutet. «Überall, wo die Beerdigung stabil ist, ist auch die Kirche
stabil, und wo die Kirche stabil ist, ist es die Beerdigung auch», wies
Sörries auf einen Zusammenhang hin. (ks03292/14.6.03)

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