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Bischof Hein: Besonnenheit statt Geschrei in öffentlichen Diskursen

Do 17.01.2019 09:54
Eschwege (epd / MA). Fast 200 Gäste aus der Ökumene, der Politik, den Schulen, Verbänden und Vereinen der Region Werra-Meißner konnte Präses Ludger Arnold zum Neujahrsempfang des Kirchenkreises Eschwege in der Marktkirche zu Eschwege begrüßen. Besonderer Gast war Dr. Martin Hein, der Bischof der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck. Er rief zu einer Kultur der Besonnenheit in öffentlichen Auseinandersetzungen auf. Die Herabwürdigung von Einzelnen oder Institutionen, öffentliche Brandmarkung und Bloßstellung von Menschen, rassistische, nationalistische oder sexistische Äußerungen seien unchristlich, sagte Hein beim Neujahrsempfang des evangelischen Kirchenkreises Eschwege. "Wer schreit, muss nicht Unrecht haben, aber er setzt sich von vornherein ins Unrecht", mahnte er einen respektvollen Umgang miteinander an.

In der erweiterten Öffentlichkeit, die sich durch die moderne Kommunikation entwickelt habe, entstünden Räume der Selbstverstärkung von radikalen Einstellungen, Lügen, Falschaussagen, grotesken Verschwörungsmythen und politischen Hirngespinsten, die Menschen mobilisierten. "Es ist ein vertrackter Kreislauf des Aufschaukelns, den man mit gutem Recht einen Teufelskreis nennen kann, an dessen Ende Gewalt und Zivilisationsbrüche stehen", warnte Hein.

Zwar gebe es durchaus Gründe zur Empörung wie etwa das Verhalten der Automobilkonzerne in der Abgasfrage oder das der Banken in der Finanzkrise. Doch müsse diese Empörung durch behutsames, umsichtiges und kompetentes Nachforschen, Nachdenken und Überprüfen abgesichert und begründet sein.

Die Antwort des christlichen Glaubens in Zeiten des "öffentlichen Geschreis" sei das Gebet, wies Hein auf den Auftrag der Kirche hin. Das Gegenteil von Geschrei sei nicht schweigen und verstummen, sondern das besonnene Hören und Reden. Dies sei ein Beitrag zur Befriedung der Gesellschaft, zur Ermutigung für die Ängstlichen und zum Trost für die Traurigen. "Das Gebet ist unser wirksamstes Gegenmittel gegen das Geschrei", sagte Hein.

Andreas von Scharfenberg überreichte im Namen der Kirchenerhaltungsstiftung des Kirchenkreises Förderbescheide für insgesamt sieben Kirchengemeinden mit einem Fördervolumen von 39.550€. Die Kirchenerhaltungsstiftung verdoppelt die Spenden, die für Kirchbauprojekte eingehen. Aus Anlass des zehnjährigen Bestehens der Stiftung dankte er Tobias Stück, dem Chefredakteur der Werra-Rundschau, und Markus Pfromm, dem Geschäftsführer des Kluthe-Verlags, für die Veröffentlichung einer inzwischen schon 37 Beiträge umfassenden Reihe über die Kirchen im Kirchenkreis Eschwege.

Der Neujahrsempfang wurde musikalisch mitgestaltet durch ein Gesangsquartett unter Leitung von Kirchenmusikdirektorin Susanne Voß. Dabei standen weihnachtliche Gesänge und Liebeslieder aus Frankreich und England im Mittelpunkt. Ein abschließender Imbiss bot gute Gelegenheit zu Gesprächen und zum Austausch von guten Wünschen für das neue Jahr.

Die Rede des Bischofs ist nachzulesen unter: www.ekkw.de/bischof/vortraege_berichte.html#a6424
Bischof Dr. Hein bei seinem VortragDer Vorstand der KirchenerhaltungsstiftungAndreas von Scharfenberg überreichte im Namen der Kirchenerhaltungsstiftung des Kirchenkreises zahlreiche FörderbescheideBischof Dr. Hein im Gespräch mit Superintendent Andreas Piontek, Dekanin Ulrike Laakmann (rechts) und Ludger Arnold (links)Das Gesangsquartett mit Susanne Voß, Sabine Agricola, Steffen Kaiser und Stefan Hoffmann

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