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"Richard Altschul: Erinnern - nicht vergessen" -Lese- und Erinnerungsabend

Mo 06.03.2017
Ein "Lese- und Erinnerungsabend" findet am Donnerstag, 16. März um 19 Uhr in Heilig-Geist-Kappelle am Brückentor in Eschwege statt.
Am 30. Oktober 1943 wurde Richard Altschul im Konzentrationslager Auschwitz ermordet. Von 1909 bis 1934 war er als Verwalter im Eschweger "Alters- und Siechenhaus" vor dem Brückentor beschäftigt. Im November 1942 wurde er im Alter von 69 Jahren verhaftet und im sogenannten "Arbeitserziehungslager" Breitenau inhaftiert. Von dort wurde er im September 1943 nach Auschwitz deportiert.

Hauptteil des Abends ist eine Lesung aus den Reisetagebüchern von Minna Greve. Minna Greve war die Großmutter von Stephan Bretschneider, der -zusammen mit seiner Frau Kristina- bis 2012 die Pfarrstelle an der Eschweger Auferstehungskirche innehatte. Minna Greve unternahm im Sommer 1918 und im Frühjahr 1919 zwei Reisen von Hamburg nach Eschwege und besuchte hier Familie Altschul. Sie berichtete wunderschön und einfühlsam über ihre Reiserlebnisse sowie über Eschwege und Umgebung vor fast 100 Jahren. Die Lesung wird die Zuhörenden in eine längst vergangene Zeit zurückversetzen und sicher manche Erinnerungen wach werden lassen.

Zu Beginn des Abends wird York-Egbert König kurz über die Biografien der Menschen erinnern, für die am 17. März Stolpersteine in Eschwege verlegt werden sollen. Annemarie und Heinrich Mihr berichten zu Beginn auch kurz über Verfolgung nicht-arischer Christen im Dritten Reich.

Richard Altschul war 1873 als Kind jüdischer Eltern geboren worden. 1900 ließ er sich in Hamburg taufen, trat 1902 als -wie es damals hieß- "bekehrter Israelit" in das Hessische Brüderhaus in Treysa ein und wurde 1905 als Diakon eingesegnet.
Nach seiner Versetzung in den Ruhestand zog er mit seiner Frau nach Kassel. Dort litt er sehr unter der Ausgrenzung und Verfolgung von Christen jüdischer Herkunft durch Staat und Kirche.
Im Juni 1939 teilte ihm der Vorsteher des Brüderhauses mit, dass der Brüderrat beschlossen habe, ihm den "unabweisbaren Rat" zu geben, sofort seinen Austritt aus der Brüderschaft und damit aus der Deutschen Diakonenschaft zu erklären. Als Grund wurde vermerkt: "nicht arisch".

Am Tag nach dem Lese- und Erinnerungsabend, dem 17. März, werden durch den Künstler Gunter Demnig noch einmal einige "Stolpersteine" in Eschwege verlegt. Auch am Seniorenwohnheim Brückentor" soll in der Nähe der ,,Heilig-Geist-Kapelle eine dieser kleinen Gedenktafeln an Richard Altschul erinnern

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