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Abterode: Großes Interesse an der Geschichte der Juden im Ort

Do 10.11.2016 21:18
Auf großes Interesse stieß ein Vortrag von Dr. Martin Arnold über die Geschichte der jüdischen Gemeinschaft in Abterode. 96 Personen waren der Einladung der Historischen Gesellschaft des Werralandes, des Geschichtsvereins Eschwege und der Volkshochschule Eschwege in das evangelische Gemeindehaus "Adlerhorst" in Abterode gefolgt.

Arnold stellte in seinem Vortrag dar, dass in Abterode um 1600 eine jüdische Gemeinschaft entstand, die schnell Ämter und Strukturen ausbildete und sich in der ersten Hälfte des 18. Jahrhundert zur größten Gemeinde in Niederhessen entwickelte. Das 19. Jahrhundert stand unter dem Vorzeichen einer zunehmenden Emanzipation. Insbesondere die jüdische Schule hatte einen hervorragenden Ruf. Der Nationalsozialismus führte jedoch auch in Abterode zu Verfolgung, Deportation und schließlich Auslöschung der Gemeinde.

Martin Arnold rief dazu auf, die Spuren jüdischen Lebens in der Region in Erinnerung behalten. Dazu gehöre zum einen die historische Arbeit, wie sie etwa Karl Kollmann, Annemarie Zimmer und Heike Schwanz in vorbildlicher Weise geleistet haben. Dazu gehöre aber auch, dass die erhaltenen Synagogen und jüdischen Friedhöfe in der Region bewahrt werden. Man müsse auch der der jetzigen und der nachwachsenden Generation Gelegenheit geben, die jüdische Geschichte kennenzulernen und sich mit ihr auseinanderzusetzen. Dafür biete die Synagoge Abterode sehr gute Voraussetzungen. Die Einrichtung eines Lern- und Gedenkortes im Obergeschoss der Synagoge, im Bereich der ehemaligen Frauenempore, wäre dabei ein wichtiger Schritt. Dieses Vorhaben wird nicht nur vom Verein "Aufwind", sondern auch vom Landesamt für Denkmalpflege unterstützt.

Man solle alles tun, so Arnold, dass die Absicht der Nationalsozialisten, die Erinnerung an die jüdische Gemeinde "für alle Zeiten aus dem Straßenbild zu entfernen", nicht zum Ziel komme. Die jüdische Geschichte sei ein wichtiger Teil unserer eigenen Geschichte. Das solle man sichtbar und erlebbar machen.
Viele Menschen aus Abterode, dem Meißnervorland und der Region hatten Interesse an diesem Thema. Foto: Volker JostEine Aussprache schloss sich an. Foto: Volker JostFoto: Volker Jost

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