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Äthiopien: Vom Hungerland zum afrikanischen "Powerstaat"

Mo 30.03.2015 07:21
Pfarrerin Sieglinde Repp-Jost, Eschwege und Pfr. Johannes Meier, Sontra, bereistenvom 16. - 27. März 2015 im Rahmen einer Studienreise das Land.

Äthiopien ist ein Land voller Gegensätze, das sich in einem atemberaubenden Tempo vom Hungerland zu einem afrikanischen "Powerstaat" mit vielen Licht- und Schattenseiten entwickelt. 12 Mitglieder der Kammer für Mission und Ökumene, einem Gremium, das die Kirchenleitung in Fragen von Mission, interreligiösem Dialog, Beziehungen zu Partnerkirchen und Entwicklungspolitik berät, hatten vom 16. - 27. März 2015 die Gelegenheit an einer Studienreise des evangelischen Hilfswerks Brot für die Welt in Äthiopien teilzunehmen, darunter Pfarrerin Sieglinde Repp-Jost aus Eschwege und Pfarrer Johannes Meier aus Sontra. Ziel der Reise war, die Arbeit von Brot für die Welt und verschiedene entwicklungspolitische Projekte vor Ort kennen zu lernen und mit den Projektpartnern in einen Austausch zu treten. Der Schwerpunkt der Reise lag auf Projekten der Ernährungssicherung im Süden des Landes, der HIV/Aids Prävention und Beratung und einem Projekt zur Verbesserung der Lebensverhältnisse von armen Familien, insbesondere Frauen, im halb-ländlichen Bereich, einer Vorortregion von Addis Abeba.
80 % der Bevölkerung Äthiopiens lebt von der Landwirtschaft, davon sind 8 % "nahrungsunsicher". Das bedeutet, dass bei einer Gesamtbevölkerung von 92 Mill ca 4-6 Mill Menschen permanent von Hunger bedroht sind. Durch Klimaveränderungen und dem Ausbleiben von Regen haben sie nicht genug Reserven, um sich ernähren zu können.
Durch den Bau von Wasserversorgungskanälen, Staumauern, verbessertem Saatgut und neuen Anbaumethoden können die Erträge deutlich gesteigert werden, so dass die Familien mit dem Verkauf von Überschüssen zusätzliche Einnahmen erzielen.
Die Projekte werden von einheimischen Trägerorganisationen, z.B. der Diakonieabteilung der Kirche oder zivilgesellschaftlichen Gruppen getragen und von Brot für die Welt mit finanziert.
Neben Projektbesuchen standen auch Besuche und Gespräche mit der evang. Mekane Yesus Kirche, der Diakonieabteilung und beim Patriarchen der äthiopisch orthodoxen Tewahedo Kirche auf dem Plan.
"Die Gleichzeitigkeit von unterschiedlichsten Lebensverhältnissen ist faszinierend und verwirrend zugleich," so Pfarrerin Sieglinde Repp-Jost. Während die Landbevölkerung in Lehmhütten lebt, mit Eselskarren unterwegs ist und den Acker mit einem Ochsengespann umpflügt, entstehen in Addis Abeba unentwegt neue Wohnviertel. In der Rush-Hour sind die Straßen mit Autos verstopft. Junge Leute mit Smartphones, Laptops und Tablets füllen die Straßencafés.
"In den Gesprächen," so Pfarrerin Sieglinde Repp-Jost "hat uns immer wieder das Verhältnis von Kirche und Diakonie beschäftigt. Es hat mich überrascht, dass da vieles mit uns in Deutschland vergleichbar ist. Die Impulse der Reise gehen weit über das eigentliche Reiseziel hinaus."

Unter dem Thema "Äthiopien - Christentum und Entwicklungspolitik" werden Pfr. Johannes Meier und Pfrin. Sieglinde Repp-Jost am Montag, 11. Mai 2015 um 19.30 Uhr im Gemeindehaus Bei der Marktkirche im Rahmen des Evangelischen Forums von dieser Studienreise berichten.
Besuch bei OSSA, einem HIV/Aids Präventions-ProjektBüro der Verbindungsstelle von Brot für die Welt in Addis AbebaDorfbewohner im Konso Gebiet

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