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Beratung über Erklärung zum Irak-Krieg

Mi 12.03.2003
Die Konferenz der kirchlichen Berater für Kriegsdienstverweigerer in der Ev. Kirche von Kurhessen-Waldeck wird am 2. April über die folgende Erklärung beraten und sich ihr evtl. anschließen.
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Mitglied der Beratungsstelle für Kriegsdienstverweigerer im Kirchenkreis Eschwege:
Pfr. Heinrich Mihr, Rosengasse 1, ESW, Tel. 05651/ 31163 - e-mail: neustadt.mihr@gmx.de
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"Evangelische Arbeitsgemeinschaft zur Betreuung der Kriegsdienstverweigerer
(EAK):

Erklärung zum Irak-Krieg
I.
Mit Betroffenheit nehmen wir wahr, dass unter Führung der gegenwärtigen US-Regierung ein völkerrechtswidriger Krieg gegen den diktatorisch regierten Irak geplant und dabei auch der Einsatz von Atomwaffen einkalkuliert wird. Leidtragende wäre die irakische Zivilbevölkerung. Das vom israelisch-palästinensischen Gewaltkonflikt erschütterte Westasien ("Naher Osten") würde zu einem Pulverfass mit weitreichenden Folgen für Europa einschließlich von Flüchtlingswellen.
Wir begrüssen, dass sich unsere christlichen Kirchen im Rahmen der Oekumene nachhaltig gegen einen Krieg und für eine politische Konfliktlösung durch Stärkung von internationalem Recht und Institutionen ausgesprochen haben. Der Oekumenische Rat der Kirchen hat mehrfach und zuletzt im September 2002 erneut die Rolle, die der Krieg im heutigen internationalen Leben spielt, als "Sünde wider Gott und eine Entwürdigung des Menschen" bezeichnet. Die Evangelische Kirche in Deutschland unterstrich: "Ziel aller Politik - auch im Irak-Konflikt - muss der gerechte Friede sein, nicht aber die Suche nach einem gerechten Krieg. Für diesen gerechten Frieden beten Christen weltweit." (Hannover / Tutzing, 24. Januar 2003). Die EAK stimmt diesen Aussagen ausdrücklich zu.

II.
Dem Ziel eines gerechten Friedens müssen die Mittel entsprechen. Unsere Vision für die gemeinsam bewohnte Welt und den Auftrag der Kirche wird durch Jesus Christus geleitet, der sagte: "Selig sind die Friedensstifter, denn sie werden Gottes Kinder heißen." und "Selig sind die Gewaltlosigkeit Lebenden, denn sie werden das Erdreich besitzen" (Matthäus 5).
In ökumenischer Gemeinsamkeit haben die christlichen Kirchen weltweit Folgerungen gezogen:
"Frieden kann nicht durch eine Doktrin der nationalen Sicherheit erlangt oder erhalten werden, weil Frieden unteilbar ist. Wirkliche Sicherheit muss auf der Gerechtigkeit für das Volk beruhen, insbesondere für jene, die am meisten bedroht sind und auf Respekt vor der Mitwelt. ...Wir werden jedem Verständnis und System von Sicherheit widerstehen, das den Einsatz von Massenvernichtungsmitteln vorsieht oder durch die Drohung mit solchem Einsatz abschrecken will. ... Wir werden daraufhinarbeiten, auf den Krieg als legales Mittel zur Lösung von Konflikten zu verzichten". (Oekumenische Weltversammlung in Seoul 1990, Grundüberzeugung VI}. Was als gemeinsame Erkenntnis in Worte gefasst wurde, soll auch in kirchlichem Handeln umgesetzt werden.
III.
• Wir laden ein und beteiligen uns an Friedensgottesdiensten- und Friedensgebeten, die überall im Land stattfinden.
• Wir halten die Kriegsdienstverweigerung von Christen heute erneut für ein deutliches Glaubenszeugnis.
Wir weisen daraufhin, dass Soldaten und Reservisten ebenso wie Wehrpflichtige den Kriegs-
dienst aus Gewissensgründen verweigern können.
• Wir beraten und begleiten sie als Beistandspfarrer auch vor die immer noch stattfindenden Anhörungen (Hinweise im Internet: www.frieden-schaffen.de, dort auch eine Liste mit evangelischen Pfarrern, die in ihren Landkreisen bzw. Kirchenbezirken Kriegsdienstverweigerer beraten).
• Wir unterstützen amerikanische Kirchen in ihrem Protest gegen den Krieg ideell und finanziell.
Dazu sollen Gottesdienstopfer auch für die Unterstützung von Menschen im Irak (z.B Arzneimittel) verwendet werden.
• Wir unterstützen das Military Counselling Network für US-Soldaten, die jetzt den Kriegsdienst
verweigern wollen (Adresse über www.frieden-schaffen.de/news).
• Wir wollen zu zivilen Konfliktlösungen im Nahen Osten einen Beitrag leisten. Dazu haben wir
Palästinenser zu uns eingeladen.
• Wir wollen selber zivile und konstruktive Konfliktbearbeitung in unserer Gesellschaft und international unterstützen und bieten dazu Fortbildungsseminare an.
• Wir bitten unsere Kirchenleitung, dass sie nicht zögert, in Krisenzeiten wie in diesen Monaten
sich deutlich in die öffentliche Diskussion einzuschalten und dass sie dazu genügend personelle und finanzielle Kapazität für eine "Taskforce zum Friedenstiften'''' zusammenführt.
Stuttgart, den 30. Januar 2003"

Die EAK vertritt etwa einhundert Pfarrer der Evangelischen Landeskirche in Württemberg mit dem Sonderauftrag zur Betreuung von Kriegsdienstverweigerern in ihrem jeweiligen Kirchenbezirk.

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