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Pfarrerinnen und Pfarrer besuchen landwirtschaftlichen Betrieb

Do 16.10.2014 15:05
Eine ungewöhnliche Pfarrkonferenz erlebten die Pfarrerinnen und Pfarrer des Kirchenkreises Eschwege. Sie besuchten den Zuchtsauenstall von Burghard Gonnermann in Nesselröden. Der Kreisbauernverband Werra-Meißner hatte zu dieser Betriebsbesichtigung eingeladen. Um die Schweine vor Infektionen zu schützen, mussten die Pfarrerinnen und Pfarrer einen Schutzanzug überziehen. Anschließend führte Burghard Gonnermann durch die Ställe, in denen die Muttersauen besamt werden, durch die Räume mit Gruppenhaltung und auch in die sensiblen Bereiche, in denen die Ferkel geboren werden. Der Betrieb bietet Platz für 250 Muttersauen. Daneben gibt es einen weiteren Ferkelaufzuchtstall mit 1.000 Plätzen. Gefüttert wird mit Getreide aus eigenem Anbau.
Burghard Gonnermann schilderte eindrücklich, wie sich in den letzten Jahrzehnten die Landwirtschaft in der Region verändert hat. So ist die Zahl der Betriebe stark rückläufig, die Betriebsgrößen nehmen jedoch stetig zu. In der Region Werra-Meißner gibt es nur noch wenige Betriebe mit Tierhaltung. Der Hof von Burghard Gonnermann ist relativ klein im Vergleich zu anderen Betrieben in Nord- und Ostdeutschland. Der wirtschaftliche Druck, der durch die Marktbedingungen erzeugt wird, hat problematische Auswirkungen nicht nur für die Familienbetriebe, sondern auch auf die Tierhaltung.
An die Besichtigung schloss sich eine rege Diskussion an, in der auch es auch um die Frage einer artgerechten Tierhaltung ging. Dabei wurden schwierige Fragen (Selektion von Ferkeln, Kupieren von Schwänzen, Verwendung von Antibiotika) nicht ausgeklammert. Dekan Dr. Martin Arnold dankte Torsten Möller, dem stellvertretenden Vorsitzenden des Kreisbauernverbandes, für das Gesprächsangebot. "Wir müssen uns in Theologie und Kirche stärker mit den Fragen der Landwirtschaft und der Tierethik beschäftigen", so Arnold selbstkritisch. "Sind Tiere nur eine Sache oder sind sie Mitgeschöpfe?" Burghard Gonnermann fand in der Pfarrerschaft viel Verständnis und Anerkennung für seine Bemühungen um eine gute Tierhaltung. Dennoch blieb am Ende die Frage, ob wir als Verbraucher nicht einen höheren Preis für Fleisch bezahlen müssten. Einen Preis, von dem nicht nur die Erzeuger leben können, sondern der auch noch bessere Haltungsbedingungen für Tiere ermöglicht.
Blick in den Stall

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