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Gewissensbildung auch nach Aussetzung der Wehrpflicht

Mi 13.02.2013
Gewissensbildung ist nach wie vor ein wichtiges Thema, dessen sich die Evangelische Kirche annehmen muss.

Dies wurde einmütig in der Konferenz der Berater für Kriegsdienstverweigerer in der Evangelischen Kirchen von Kurhessen-Waldeck festgestellt. Die Berater hatten sich am 11. Februar im Zentrum für Freiwilligen-, Friedens und Zivildienst (ZFFZ) in Kassel getroffen. Unter der Leitung von Pfarrer Jens Haupt, dem Leiter des Zentrums, wurde über die aktuelle Situation beraten und es wurden Informationen zur gegenwärtigen Situation ausgetauscht. Aus der Region Eschwege nahm auch Pfr. i. R. Heinrich Mihr, langjähriges Mitglied der Beratungsstelle, an der Besprechung teil.

Zwar ist die Wehrpflicht (in Deutschland ab 1956) seit Juli 2011 für Friedenszeiten ausgesetzt, zugleich aber wirbt die Bundeswehr seit Sommer 2011 für den freiwilligen Wehrdienst. Manche junge Men-schen entscheiden sich für einen freiwilligen Wehrdienst, weil sie keinen Ausbildungsplatz bekamen oder auf einen Studienplatz warten müssen. Die Erfahrung zeigt, dass angesichts von Auslandseinsätzen und wegen dem Einsatz von neuartigen Waffen es aber auch immer wieder es junge Menschen gibt, die vor oder nach einer Entscheidung in Gewissensnöte geraten. Auch bei Arbeitsplätzen in der Rüstungsindustrie entstehen oft Gewissenskonflikte.

Die Berater waren sich einig, dass der freiwillige Wehrdienst keine Möglichkeit zur Zeitüberbrückung ist wie andere. Der Schritt in den Dienst bei der Bundeswehr sollte nur sehr bewusst getan werden und es müssen dabei auch die tatsächlichen Einsatzaufgaben im Blick sein.
Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) weist in einer entsprechenden Erklärung auf folgendes hin: "Die Entscheidung für einen Dienst in der Bundeswehr oder einen zivilen Freiwilligendienst bleibt auch künftig eine Gewissensentscheidung. Dafür brauchen junge Menschen sachgemäße Informationen und qualifizierte Beratung." (EKD-Erklärung zur Aussetzung der Wehrpflicht und den Folgen vom 17.9.2010) .

Die kirchlichen KDV-Berater in den einzelnen Regionen stehen da-her nach wie vor zu Gesprächen und zur Beratung zur Verfügung, denn "Soldat/in werden: Ja oder Nein?" ist nicht nur eine Entschei-dung für einen Beruf. Es ist zuerst eine Gewissenentscheidung.
Wer sich für einen freiwilligen Dienst mit der Waffe entscheidet, muss sich vorher fragen: Bin ich bereit Menschen zu töten, bin ich bereit mein eigenes Leben durch Anwendung von Waffengewalt zu riskieren?
Auch das eigene Gewissen meldet sich dann zu Wort: Kannst Du das mit Deiner Einstellung zum Leben, mit Deiner Haltung gegenüber allem Lebendigen und mit Deinem persönlichen Glauben vereinbaren?

Die evangelische Kirche bietet daher nach wie vor individuelle Beratung und Informationen dazu an.
Ansprechpartner in der Region Eschwege:

Heinrich Mihr, Pfarrer i. R., Am Weißenstein 43, 37269 Eschwege, Tel. 05651/32212, E-Mail: hmmihr@gmx.de

Kontakt für Freiwilligendienste und Zivildienst:
Pfarrer Jens Haupt, , haupt.zffz@ekkw.de
Zentrum für Freiwilligen-, Friedens- und Zivildienst der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Lessingstr. 13, 34119 Kassel,
Tel.0561/10991-50) , E-Mail: zffz@ekkw.de (www.ekkw.de/zffz)


Noch eine Information:
Rechtzeitiger Widerspruch gegen unerwünschte Werbung ist notwenig
Die Bundeswehr versendet Informationsmaterial zum freiwilligen Wehr-dienst. Wer aus Gewissensgründen keine Werbung für den Militärdienst wünscht, kann einer Weitergabe seiner Adresse vom Einwohnermelde-amt an die Wehrbehörde widersprechen. Ein solcher Widerspruch ist beim Einwohnermeldeamt zu stellen. Die Frist für einen Widerspruch liegt im Jahr vor der Adressübermittlung. Die Adressübermittlung erfolgt zu Beginn des Jahres, in dem Jugendliche ihren 17. Geburtstag feiern. Der mögliche Widerspruch beim Einwohnermeldeamt muss also u. U. bereits im 16. Lebensjahr erfolgen. Da es um Minderjährige geht, kann die Erklärung auch von Erziehungsberechtigten für ihre Kinder abgege-ben werden. Informationen dazu

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