Aktuelles Gesamtübersicht

Neujahrsempfang des Kirchenkreises Eschwege zum Thema Inklusion

Do 17.01.2013 14:26
"Verschiedenheit ist normal", sagte Daniel Schindewolf vom Werkstattrat der Werraland-Werkstätten beim Neujahrsempfang des Evangelischen Kirchenkreises Eschwege. Zusammen mit Volker Reimann ließ er sich von Andrea Röth-Heinemann, der stellvertretenden Geschäftsführerin der Werraland-Werkstätten, zum Thema "Inklusion" interviewen. Die Werraland-Werkstätten in Eschwege haben sich gemeinsam mit dem Verein "Aufwind - Verein für seelische Gesundheit" und der "Lichtenau e.V." vorgenommen, mehr als hundert zusätzliche Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderungen auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt zu schaffen.
Durch die Konvention der Vereinten Nationen über die Rechte behinderter Menschen ist das Thema "Inklusion" verstärkt in den Blickpunkt der Öffentlichkeit gerückt. Teilhabe am normalen gesellschaftlichen Leben wird darin zum Grundrecht aller Menschen erklärt. "Das ist mit der Einrichtung von ‚Sonderwelten‘ nicht vereinbar", sagte Gerd Hossbach, der Geschäftsführer der Werraland-Werkstätten. Susanne Roth-Graulich informierte gemeinsam mit Pfarrer Christoph Dühr über die Erfahrungen mit Inklusion in den Kindertagesstätten. Dort ist die Aufnahme von Kindern mit Behinderungen schon seit vielen Jahren gängige Praxis. Ganz anders ist die Situation in den Regelschulen, die Matthias Fuß beleuchtete. Er ist Fachberater für Inklusion beim Staatlichen Schulamt in Bebra. "Inklusion steht im Konflikt mit der selektiven Verfasstheit des deutschen Bildungssystems", so Fuß. Dennoch gelte es, den Weg der Inklusion konsequent weiter zu beschreiten. Petra Rieger berichtete von einem Projekt der Auferstehungskirchengemeinde in Eschwege, die einen barrierefreien Zugang zu ihrer Kirche geschaffen hat. Sie rief andere Kirchengemeinden dazu auf, ihrem Beispiel zu folgen.
Dekan Dr. Martin Arnold dankte allen, die sich um Inklusion und Teilhabe bemühen. "Das Reich Gottes ist offen für alle Menschen", so Arnold, "Gott will Inklusion. Es gibt keinen Grund, Menschen mit und ohne Behinderungen zu trennen." An dem Empfang nahmen auch Mitglieder der Gehörlosengemeinde Eschwege teil, für die alle Wortbeiträge in Gebärdensprache übersetzt wurden. Der Chor der Werraland-Werkstätten erhielt großen Beifall von den Gästen des Empfangs für seine musikalischen Beiträge.
Ein weiterer Höhepunkt des Empfangs war die Förderung verschiedener Kirchengemeinden durch die Kirchenerhaltungsstiftung. Der Vorsitzende Andreas von Scharfenberg konnte an fünf Kirchengemeinden Bewilligungsbescheide in einem Gesamtvolumen von 36.570€ überreichen. Den größten Batzen erhielt die Kirchengemeinde Germerode für die Renovierung der dortigen Klosterkirche. Die Stiftung verdoppelt mit ihren Mitteln Spenden, die von den jeweiligen Kirchengemeinden für ihr Projekt gesammelt werden. "Die Stiftung ist eine Erfolgsgeschichte", so Andreas von Scharfenberg. Sie kann inzwischen schon auf ihr fünfjähriges Bestehen zurückblicken.
Etwa 200 Gäste aus der Politik, den Schulen, den Kindertagesstätten, den sozialen Einrichtungen, den Verbänden und aus der Ökumene waren der Einladung des Kirchenkreises gefolgt und stimmten abschließend in das Lied ein: "Komm, Herr, segne uns, dass wir uns nicht trennen."
Impulsreferate zum Thema Inklusion

Susanne Roth-Graulich (Leiterin der Evangelischen Kindertagesstätte "Am Schwanenteich" in Eschwege):
Inklusion in Kindertagesstätten

Wenn ich in meinen Ausführungen "wir" sage spreche ich für viele Erzieherinnen und Kindertagesstätten. Ein Bericht aus der Praxis: In unserer Kindertagesstätte werden seit 1978 Kinder mit Beeinträchtigung aufgenommen. Fast 20 Jahre in einer heilpädagogischen Kleingruppe oder Sondergruppe, wie man damals sagte und seit 1996 arbeiten wir integrativ oder inklusiv, wie man heute sagt. Zurzeit betreuen wir in 3 von 5 Gruppen Kinder mit Beeinträchtigung. Die Spanne der Beeinträchtigungen reicht von Kindern mit Entwicklungsauffälligkeiten bis zu schwerstmehrfachbehinderten Kindern mit hohem pflegerischem Bedarf.
Integration oder Inklusion bedeutet nicht nur das gemeinsame Spielen und Lernen der Kinder in der Kita, sondern auch wohnortnah, deshalb wird, wenn es erforderlich ist in jeder Kita inklusiv gearbeitet, zumindest hier, in anderen Bundesländern wird teilweise anders gearbeitet.
In unserem pädagogischen Alltag, bei der Arbeit mit den Kindern sieht das so aus, dass wir uns am Entwicklungsalter und nicht am Lebensalter der Kinder orientieren, dass bedeutet gemeinsame Bildungsprozesse mit individuellen Lern- und Entwicklungszielen. Das Kind bestimmt das Tempo seiner Entwicklung und die Fachkräfte begleiten und unterstützen es darin.
Wir beobachten und dokumentieren z.B. nach Quint (Qualitätsentwicklung Integrationsplatz) oder anderen Screeningverfahren zur Dokumentation der kindlichen Entwicklung. Wir schreiben Förder- und Hilfepläne und setzen diese spielerisch und ganzheitlich im Alltag um. Die Fachkräfte arbeiten interdisziplinär mit den Eltern, Kinderärzten, Frühförderung, Therapeuten vor der Einschulung auch mit den Schulen zusammen und treffen sich mindestens 1x jährlich zu einer großen Runde um miteinander gegenwärtiges und zukünftiges das Kind betreffend zu besprechen. Therapien sind z.B. Logopädie, Ergotherapie und Krankengymnastik. Die Therapeuten kommen aus den Praxen in die Kita.
Kinder mit Beeinträchtigung nehmen bei uns selbstverständlich an allem teil, die Angebote und Aktivitäten werden so differenziert gemacht, dass alle teilnehmen können .Alle Kinder lernen miteinander und voneinander, auch die nichtbehinderten Kinder von den Kindern mit Beeinträchtigung z.B. den selbstverständlichen Umgang miteinander oder das man keine Bedingungen oder Voraussetzungen erfüllen muss um angenommen zu sein.
Frühstückstage, Turntage, Waldtage, Projekte sind für alle zugänglich, so lernt das eine Kind beim Projekt Wasser bspw. alles über den Wasserkreislauf, das andere wie viel Farben Wasser hat oder wo man es überall braucht und wieder ein anderes Kind lernt, dass Wasser nass ist, das es warm und kalt sein kann oder plätschert- ein Lerngegenstand mit unterschiedlichen Lern - und Entwicklungszielen.
Wir bilden uns ständig fort - und weiter - im Kreis werden viele Angebote von unserer Fachaufsicht im Jugendamt, der Ute Siemon gemacht, wir werden da sehr gut versorgt, auch mit Arbeitskreisen usw.
Wir bewegen uns aber auch außerhalb des Kreises bei uns macht zurzeit eine Fachkraft eine Langzeitfortbildung für Unterstütze Kommunikation bei der Lebenshilfe in Marburg zur Unterstützung von Kindern mit Sprachauffälligkeiten und nicht sprechenden Kindern.
Beim Übergang in die Schule, den wir intensiv mitgestalten empfehlen wir einigen Eltern ehrlicherweise trotz Inklusion zurzeit noch nicht den Besuch der Regelschulen, da die Schulen dahingehend noch nicht ausgestattet sind und unserer Meinung nach unter den jetzigen Voraussetzungen eine adäquate Förderung nicht bei allen Kindern leisten können.
Wir arbeiten zurzeit nach der Rahmenvereinbarung Integrationsplatz und haben was unsere Arbeit angeht einen qualitativ guten Standard, den wir aber in naher Zukunft gefährdet sehen, wovon uns Herr Pfarrer Dühr mehr berichten wird.

Christoph Dühr:
Welche Auswirkungen wird es auf die Inklusion in den Kindertagesstätten haben, wenn der Entwurf des neuen Hessischen Kinderfördergesetzes so Rechtskraft erhält?

"Wir arbeiten zurzeit nach der Rahmenvereinbarung Integrationsplatz und haben was unsere Arbeit angeht einen qualitativ guten Standard." So konnte Frau Roth-Graulich über eine jahrelange erfolg-reiche Praxis der inklusiven pädagogischen Arbeit mit Kindern berichten.
Es ist deutlich geworden, wie Inklusion im Elementarbereich grundlegend ist für das Miteinander von Menschen mit unterschiedlichen individuellen Voraussetzungen in weiteren gesellschaftlichen Bereichen.
Damit wir uns hier recht verstehen: Vornehmlich das Können und das Engagement der Pädagogin-nen in Kooperation mit den anderen Beteiligten lassen diese Arbeit gelingen. Die geltenden Rah-menbedingungen stellen eher Mindestvoraussetzungen für eine solche erfolgreiche Arbeit her.
Und dennoch werden uns die derzeitigen Rahmenbedingungen womöglich bald in der Rückschau wie paradiesische Zustände vorkommen, wenn das Wirklichkeit werden sollte, was sich in der poli-tischen Großwetterlage ankündigt.
Ich möchte drei Problembereiche nennen, die für die Arbeit der Kindertagesstätten in Zukunft er-hebliche - und vermutlich höchst negative - Auswirkungen haben können:
Zum ersten die Neuverhandlung der Rahmenvereinbarung Integration zwischen den Vertretern der Wohlfahrtsverbände und den Kommunalverbänden als Kostenträgern.
Zum zweiten und in besonderem Maße die geplante Einführung des Hessischen Kinderförderungs-gesetzes (KiFöG).
Und zum dritten die finanzielle Lage der öffentlichen Hand, insbesondere der Kommunen, greifbar in der derzeitigen Schutzschirmdebatte.
Diese drei Aspekte gehen eine ganz bedrohliche Gemengelage ein, die vieles von dem, was Frau Roth-Graulich heute Abend beschreiben konnte, in Frage stellen wird.
Da wird in den Verhandlungen über die Rahmenvereinbarung Integration die bisher selbstverständ-liche Reduktion der Gruppe bei Aufnahme eines behinderten Kindes infrage gestellt.
Da wird in den Regelungen des neuen Kinderförderungsgesetzes Inklusion vollständig ausgeklam-mert. Das allein schon kann man skandalös nennen - hat doch die Inklusion hat den Rang einer ge-sellschaftlichen Verpflichtung und hat doch daher ein aktuelles Gesetz dem Thema Inklusion Rech-nung zu tragen. Zudem will das KiFöG ausdrücklich alle für die Kindertagesstättenarbeit relevanten Regelungen zusammenfassen. Und tatsächlich haben die Neuregelungen des KiFöG, die sich nega-tiv auf die gesamte Kindertagesstätten¬arbeit auswirken werden, auch Wirkungen auf die Arbeit mit Kindern mit Beeinträchtigungen.
So lässt sich mit den Regelungen des KiFöG nach dem derzeitigen Diskussionsstand folgende Kin-dergartengruppe konstruieren:
Sie besteht aus 11 Kindern über drei Jahren, 4 Kindern im Alter von 2 bis 3 Jahren und zwei weite-ren Kindern im Alter unter zwei Jahren. Diese 17 Kinder einer Altersspanne von 1 bis 6, von denen eines behindert sein könnte, werden von einer Erzieherin und - das KiFöG macht’s möglich - einer nicht fachpädagogisch ausgebildeten Person betreut. Im Ganzen herrscht Personalmangel, weil die Kindertagesstätte zwar täglich 10 Stunden geöffnet hat, aber nur für 8,5 Stunden Personal berechnet und genehmigt bekommt. Leider wird daher - in meinem Beispiel - die Fachpädagogin zum Aushelfen in die zweite noch geöffnete Nachmittagsgruppe abgerufen. Die Nicht-Fachkraft steht mit der Gruppe kurzfristig alleine da. Ein gemeinsames Arbeitsprogramm können die beiden Gruppenkräfte nicht absprechen, weil Zeit für sogenannte mittelbare pädagogische Aufgaben nicht vorgesehen ist. Damit fehlt auch die Möglichkeit, mit Eltern, Therapeuten und Kolleginnen die Inklusion zu besprechen oder die Maßnahmen zu dokumentieren.
Wie gesagt, diese Situation ist konstruiert. Aber die im KiFöG vorgesehenen Regelungen ermögli-chen genau solch eine Konstellation. Unter solchen Bedingungen ist verantwortbare pädagogische Arbeit nicht möglich. Unter solchen Bedingungen kann Inklusion nicht gelingen!
Nun lässt sich einwenden: Das Gesetz beschreibt nur die Mindestbedingungen. Nicht alles muss auch umgesetzt werden. Aber eben hier wird der kommunale Sparzwang seine unheilvollen Wir-kungen entfalten. Welche Kommune, die den Auflagen des Schutzschirmes unterliegt, kann sich vor den Augen der Finanzaufsicht im KiTa-Bereich übergesetzliche Quantitäten erlauben?
Der Verband Evangelischer Tageseinrichtungen für Kinder im Diakonischen Werk unserer Landes-kirche hat daher einen Aufruf verfasst, in dem folgende Forderungen erhoben werden:
• die Bereitstellung ausreichender Ressourcen für bedarfsgerechte Öffnungszeiten
• die Sicherung altersorientierter Standards in der Fachkraft-Kind-Relation
• altersgerechte Gruppenstärken, die eine Umsetzung des Hessischen Bildungs- und Erzie-hungsplans ermöglichen
• Zeitkontingente für mittelbare pädagogische Aufgaben (…) und die Berücksichtigung tat-sächlicher Ausfallzeiten
• Sicherstellung angemessener Rahmenbedingungen für die Umsetzung einer inklusiven Pä-dagogik für Kinder mit besonderem Förderbedarf
• Planungssicherheit für die finanzielle und personelle Ausstattung der Tageseinrichtungen für Kinder
Unsere Einrichtungen haben in den vergangenen Wochen mit einer Unterschriftenaktion der Kreis-arbeitsgemeinschaft der Leiterinnen begonnen, Elternschaft und Öffentlichkeit zu informieren und zu mobilisieren. Weitere Aktionen sollen folgen. Liebe Anwesende: Suchen Sie Kontakt zur Kin-dertagesstätte in Ihrer Nähe, um die Problematik der neuen Regelungen zu erörtern. Unterstützen Sie diesen Aufruf. Lassen Sie sich auch einladen zur Podiumsdiskussion unter anderem mit unserem Landrat, Herrn Reuß, am 29.1. um 19.30 Uhr im Alten E-Werk zu der Frage: Was sind uns unsere Kinder wert?
Ich möchte schließen, aber nicht ohne einen Hinweis, der mir sehr wichtig ist: Hier im Werra-Meißner-Kreis arbeiten wir seit Jahren zum Wohl unserer jüngsten gesellschaftlichen Glieder gut zusammen. Ein Ausdruck dafür ist die Rahmenvereinbarung im Werra-Meißner-Kreis, in der Träger und Kommunen sich selbst zu verbesserten Standards verpflichteten. Bleiben wir diesem Geist treu und sparen wir nicht an den Rahmenbedingungen der Kindertagesstättenarbeit und insbesondere der Inklusion. Es wäre am falschesten Ende gespart!



Petra Rieger:
Barrierefreier Zugang zur Kirche

Sehr geehrte Damen und Herren,

zum Thema Inklusion in der Region habe ich nachfolgendes aus unserer
Auferstehungskirchengemeinde auf dem Heuberg zu berichten:

In 2009 entstand die Idee einen barrierefreien Zugang zur Kirche zu bauen.

Ja !!! wie kamen wir auf die Idee

In unserer Gemeinde hörten wir die Worte, Ja, ich würde auch gerne wieder den Gottesdienst besuchen, aber leider kann ich die Treppen mit meinem Rollator, dem Rollstuhl, oder einer anderen Gehhilfe nicht mehr überwinden. Das schaffe ich nicht mehr.

Zum besseren Verständnis möchte ich Ihnen etwas zur Lage unsere Auferstehungskirche erklären:
Unsere Kirche wurde auf einem abschüssigen Gelände gebaut. Man kann es mit einem Haus vergleichen, dass am Hang gebaut wurde mit einer Einliegerwohnung und dem 1.Stock. Anstelle der Einliegerwohnung befindet sich in unserem Kirchengebäude der Gemeinderaum und im 1. Stock der Gottesdienstraum, welcher über ein Treppenhaus im Innenbereich und …15…Treppenstufen von außen zu erreichen ist.

Zurück zur Entstehung der Idee.
Wir das Pfarrerehepaar Bretschneider und der Kirchenvorstand der Auferstehungskirchengemeinde haben uns zu Herzen genommen , was unseren Gemeindeglieder so sehr auf der Seele brennt : unüberwindbare! Barrieren zum Gottesdienstraum. Wir haben begonnen Ideen zu sammeln um einen barrierefreien Zugang zu verwirklichen.


Über den Einbau eines Treppenliftes im Innenbereich des Treppenaufganges vom Erdgeschoss ( das man barrierefrei erreichen kann ) zum Flur vor dem Kirchenraum haben wir nachgedacht. Weitere Überlegungen brachten uns auf die Idee einen Aufzug, der vom Erdgeschoss im Innenbereich des Gebäudes, zum Eingang des Kirchenraumes führt. Auch einen Aufzug, von außen an das Gebäude anzubauen war angedacht

All diese Ideen haben uns nicht richtig überzeugt, weil die Folgekosten wie Wartung, Überprüfungen, Rep usw finanziert werden müssten. Die Kirchengemeinde hat nicht soviel Geld zur Verfügung, sodass die Ideen aus finanziellen Gründen ad Akta gelegt werden mussten.



Dann war die Überlegung, wie wäre es, wenn wir einen barrierefreien Weg zur Kirche bauen.
Die Fragen die sich stellten waren:
Ist das überhaupt möglich??
Haben wir das entsprechende Gelände zur Verfügung??
Um dies zu klären, zogen wir einen Architekten zu Rate. Dieser erstellte für uns eine vorläufige Planung für einen "barrierefreien Weg". Mit seinem Vorschlag waren wir sehr zufrieden.
Daraufhin beschloss der KV das Projekt " barrierefreier Zugang zur Kirche " im Jahr 2010 zu realisieren.
Die geschätzten Kosten beliefen sich auf 39.900,00 Euro. In einer Gemeindeveranstaltung Anfang des Jahres 2010 konnte das Projekt endlich den Gemeindegliedern vorgestellt werden.



Im Mai 2010 begannen die Bauarbeiten für den barrierefreien Zugang.
Es wurde ein Erdwall aufgeschüttet. Dieser bildete die Grundlage für den Weg. Als Nächstes wurden Pflasterarbeiten durchgeführt. Eine Stahlkonstruktion mit Brücke die den Weg mit dem Kirchengebäude verbindet wurde als letztes angebaut.

Finanziert wurde das ganze Projekt durch:
Den Kirchenkreis
Die Stadt Eschwege
Spenden der Kirchengemeinde
Kirchenerhaltungsstiftung


Am 12.09.2010 konnte der barrierefreie Weg mit einem Gottesdienst um 14.ooUhr und anschließendem Kaffeetrinken mit vielen Gästen, unter anderem auch den Bewohnern des Wohnheims der Werralandwerkstätten feierlich eingeweiht werden.
Der barrierefreie Weg wird von älteren Mensche, Menschen mit Behinderung und Eltern mit Kinderwagen rege genutzt. Nun kommen auch Bewohnerinnen und Bewohner der Wohnheime der Werraland-Werkstätten immer wieder zum Gottesdienst.

Ach übrigens:
Seit 2010 feiern wir auf dem Wohnheimgelände der Werralandwerkstätten jährlich einen Gottesdienst , der von den Bewohnern und der Kirchengemeinde gestaltet wird.
Das ist neben dem Bau des barrierefreien Zugangs für unsere Gemeinde ein weiterer Baustein der Gemeinschaft mit Menschen mit Beeinträchtigung


Wir vom KV freuen uns sehr, dass es sich gelohnt hat, dieses Projekt zu verwirklichen. Die Menschen sprechen uns immer wieder an und freuen sich, dass sie den Gottesdienst ohne die Überwindung von hinderlichen Stufen wieder besuchen können.



Ich möchte Ihnen Mut machen. Hören sie in ihre Gemeinden hinein. Sollte es auch in ihren Gemeinden Barrieren geben, die für ältere und behinderte Menschen schwierig zu überwinden oder vielleicht gar nicht zu überwinden sind, sollten Sie nicht ihre Augen und Ohren verschließen, sondern versuchen eine Lösung zu finden, die den Menschen den Gang zum Gottesdienst ermöglicht.
Wir sind doch eine offene Kirche mit dem Bestreben, dass alle Menschen, die den Gottesdienst besuchen möchten, dies auch können.






Matthias Fuß, Fachberater Inklusion im Staatlichen Schulamt Bebra:
Inklusion in der Region - Erfahrungen und Perspektiven aus dem Bereich "Schule"

Betrachtet man die aktuelle bildungspolitische und bildungswissenschaftliche Diskussion, so hat der Begriff Inklusion in gewisser Weise Mitleid verdient: Er ist in aller Munde, weckt Hoffnungen und zugleich Erwartungen und Ängste. Jeder kennt ihn, kaum jemand kann ihn greifen, oft wird er missverstanden. Jeder Schulbuchverlag bietet mittlerweile Unterrichtsmaterialien für Inklusion an: Oft sind es Materialien, die bereits Jahrzehnte alt sind. Und trotzdem: Inklusion meint etwas anderes, als die bekannte Integration, als der Gemeinsame Unterricht in der Schule. Integration war und ist doch eher auf Kinder mit Behinderungen fokussiert. Es gibt jedoch viele andere Aspekte von Verschiedenheit, die Bildungspartizipation erschweren können. Inklusion möchte auch diese Aspekte in den Blick nehmen und allen Kindern Teilhabe ermöglichen. Integration betrachtet zunächst die Besonderheit eines Kindes: Stelle man sich eine Tüte Gummibärchen vor, in der alle Gummibärchen rot sind. Passt da ein grünes dazu, oder ein gelbes? In politischen Kategorien gedacht wird es das grüne vielleicht einfacher haben, sich mit den roten zu arrangieren und umgekehrt. Passt das gelbe hier dazu? Es ist anders! Stört es? Vielleicht wird es geduldet? Inklusion hingegen beruht auf einem ganz anderen Ausgangspunkt: Sie geht von der Vielfalt aus. Die Vielfalt ist normal, die Differenz ist egalitär, so wie eben in einer ganz normalen Gummibärchentüte mit vielen bunten Gummibärchen.
Es ist ein bemerkenswerter Vorgang, dass in einer pädagogischen Lage, die durch eine lange Tradition der Selektion, der äußeren Differenzierung und Homogenisierung der Lerngruppen im System Schule geprägt ist, ein nicht unbeträchtlicher Druck entsteht, Inklusion überall zu realisieren. Das Legitimationsmuster für diese Anstrengung beansprucht die höchste Autorität, nämlich die der Menschenrechte. Durch die Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention erkennen die Vertragsstaaten das Recht an, Menschen mit Behinderungen und Beeinträchtigungen einen Zugang zu einem Unterricht in der Gemeinschaft, in der sie leben, zu sichern. Es geht also um den Anspruch, die Vision, einem Menschen mit Behinderung zu ermöglichen, die Schule zu besuchen, in die er gehen würde, wenn er nicht behindert wäre. Dieser Anspruch spiegelt sich auch im neuen Schulgesetz wieder, das die Inklusive Beschulung an der allgemeinen Schule als Regelform für die Förderung von Schülerinnen und Schülern mit Behinderungen festschreibt.
Die Sonderpädagogik hat nun die Aufgabe, eben diese schulische Förderung zu unterstützen. Das ist zunächst nicht neu: Diese Zusammenarbeit von allgemeiner Schule und dem sonderpädagogischen Unterstützungssystem kennen wir aus dem Gemeinsamen Unterricht, der auf eine mittlerweile jahrzehntelange Tradition zurückblickt. Viele Schulen aus der Region waren und sind hier Vorreiter.
Im Inklusiven Unterricht jedoch liegt die Hauptverantwortung für eben diese schulische Förderung von Schülerinnen und Schülern mit Behinderungen im Gegensatz zum Gemeinsamen Unterricht nicht mehr bei der Sonderpädagogik und deren Unterstützungssystemen, sondern bei der allgemeinen Schule. Das ist ein Sprung ins kalte Wasser. Von der Sonderpädagogik, allen voran den Beratungs- und Förderzentren, wird nun erwartet, dass sie die allgemeinen Schulen darin unterstützt, eine inklusive Schule, das heißt eine Schule für alle, zu werden. Um im Bilde zu bleiben: Es geht also darum, schwimmen zu lernen und dabei auch noch voran zu kommen. Schwimmen lernt man jedoch am besten gemeinsam. Das minimiert die Gefahr des Ertrinkens beachtlich.
Im Zentrum der Organisation der schulischen Förderung für Schülerinnen und Schüler mit Behinderungen steht heute nicht mehr die Aufgabe, die richtige (Förder-)Schule für ein Kind zu finden, sondern die Frage: Welche Rahmenbedingungen müssen wir schaffen, damit dieses Kind an dieser konkreten Schule die optimalen Lernbedingungen bekommt?
Hier wird deutlich, welch radikaler Perspektivenwechsel auch von der Sonderpädagogik erwartet wird, der am Kern des eigenen Professionalitätsverständnisses rüttelt: Die Sonderpädagogik hat die Bildungsfähigkeit aller Schülerinnen und Schüler aufgezeigt. Nun gilt es, die Qualität und die Kompetenzen der sonderpädagogischen Förderung, die an den Förderschulen und im Gemeinsamen Unterricht etabliert wurden, für die allgemeine Schule fruchtbar zu machen und somit weiter zu entwickeln.
Für die allgemeine Schule ergeben sich in diesem Zusammenhang zwei zentrale Herausforderungen:
Inklusion heißt, die Vielfalt als Normalität zu betrachten. Dies wiederum erfordert es, die in jeder Lerngruppe per se vorhandene Heterogenität anzuerkennen und Strategien für den Umgang mit heterogenen Lerngruppen zu entwickeln. Hier geht es unter anderem darum, Lernarrangements anzubieten, die durch eine Balance zwischen individualisierten Lernangeboten und gemeinschaftsbildenden Lernaktivitäten gekennzeichnet ist: Arbeiten Schülerinnen und Schüler mit Behinderungen ausschließlich mit individuell für sie entwickelten Materialien oder arbeiten sie ausschließlich in homogenisierten Kleingruppen, führt dies auch an der allgemeinen Schule zu deren Vereinsamung. Schulische Teilhabe erfordert eben auch gemeinsame Aktivitäten innerhalb der Gleichaltrigen-Gruppe. Beides unter einen Hut, zu bekommen ist im Blick auf die Unterrichtsorganisation an einer Schule und innerhalb der Klasse ein echter Balanceakt.
Die zweite Herausforderung bezieht sich auf die Etablierung kooperativer Strukturen der Zusammenarbeit im Kollegium bzw. im multiprofessionellen Team. Wichtige Aspekte sind hier die Entwicklung eines innerschulischen Unterstützungssystems und einer professionellen Kultur des sich gegenseitig Beratens. Auch auf dieser Ebene gilt: Schwimmen lernt man am besten gemeinsam. Wir Lehrer sind es eher gewohnt, alleine vor der Klasse zu stehen. Noch immer sind vor allem die Lehrkräfte hoch angesehen, die auch vor einer schwierigen Klasse allein bestehen. Wie hilfreich und erfüllend es sein kann, Unterricht gemeinsam zu planen und durchzuführen, gemeinsam im Team Lösungen für Probleme zu finden und umzusetzen, haben die wenigsten von uns bisher konkret erlebt und erfahren.
Diese und andere Herausforderungen, vor der die allgemeine Schule steht und die auch in anderen Kontexten an sie herangetragen werden, sind nicht neu aber sie sind schwierig.
Ein weiterer Knackpunkt ist die Frage der Ressourcen für die sonderpädagogische Unterstützung. Diese haben sich im Vergleich zu der Zeit vor dem neuen Schulgesetz in der Summe nicht wesentlich geändert, werden jedoch grundlegend anders verteilt. Das sonderpädagogische Beratungs- und Förderzentrum fungiert nun als Schnittstelle für die Ressourcensteuerung. Die Verteilung der Unterstützungsstunden erfolgt mittlerweile systembezogen: Je nach Schülerzahl einer Schule hält das Beratungs- und Förderzentrum eine Anzahl von Stunden vor, die bei Bedarf und in Absprache angefordert werden können. Zudem wurde ein neues, komplexes Entscheidungsverfahren eingeführt, das einen Anspruch auf Unterstützungsleistungen für einen Schüler oder eine Schülerin festlegt. Nochmal: Die Ressourcen für die sonderpädagogische Förderung an der allgemeinen Schule sind bezogen auf das Gesamtsystem nicht weniger geworden, jedoch entsteht durch ein sich veränderndes Aufgabenfeld für allgemeine Schule und Sonderpädagogik sowie durch die neue Verteilung im Einzelfall möglicherweise ein anderer Eindruck.
Der Auftrag, Inklusion in der Schule umzusetzen, ist nicht als weitere Aufgabe zusätzlich zu den anderen vielfältigen Schulentwicklungsaufgaben zu sehen. Inklusive Strukturen entstehen quasi zwangsläufig, wenn man sich intensiv mit den übrigen Entwicklungsaufgaben für eine gute Schule und für guten Unterricht auseinandersetzt: Gute Schulen nehmen ihre Schüler ernst und wichtig. Gute Schulen fördern ihre Schüler individuell. Gute Schulen leben eine offene, angstfreie und wertschätzende Schulkultur. Gute Schulen machen sich viele Gedanken um faire und transparente Leistungsfeststellung und Leistungsbewertung. Gute Schulen nehmen die Kompetenzen ihrer Schüler in den Blick und weniger deren Defizite. In guten Schulen arbeiten Lehrkräfte, die in erster Linie Schüler unterrichten und erst in zweiter Linie Fächer. Man könnte diese Liste noch lange fortführen…
In unserer Region gibt es eine Reihe von Schulen, für die diese Schlagworte keine Worthülsen sind, sondern seit Jahren gelebte Praxis. Sie arbeiten also bereits an inklusiven Strukturen ihrer Schulen, vielleicht ohne sich dessen bewusst zu sein.
Es gilt, diesen Weg konsequent weiter zu beschreiten. Die Vision am Ende diese langen Weges, der gleichzeitig das sprichwörtliche Ziel darstellt, lässt sich als Leitgedanke so formulieren: Jedes Kind ist, wie es ist. Wir wertschätzen es und heißen es an unserer Schule willkommen.
Als Fachberater für Inklusion stehe ich den Schulen in der Region als Ansprechpartner auf diesem Weg zur Verfügung.


Einen weiteren Impuls von Gerd Hossbach zum Thema "Inklusion in den Arbeitsmarkt" finden Sie im nachfolgenden Download
Andrea Röth-Heinemann im Interview mit Daniel Schindewolf (links) und Volker Reimann200 Gäste nahmen am Empfang teilEs sang der Chor der Werraland-Werkstätten unter Leitung von Andreas KuphartGehörlosenseelsorger Matthias Heinisch dolmetschte in GebärdenspracheAndreas von Scharfenberg überreicht den Förderbescheid an die Vertretung der Kirchengemeinde Germerode
Auch die Landtagsabgeordneten Lothar Quanz (SPD) und Dirk Landau (CDU) nahmen an dem Empfang teil

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