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Studientag zum Thema: "Öffentliche Segnung von gleichgeschlechtlichen Paaren"

Do 09.02.2012 16:47
Auf Einladung des Evangelischen Forums Eschwege trafen sich am Samstag, dem 04.02.2012 etwa 30, Pfarrer und Pfarrerinnen, Kreissynodale, Kirchenvorsteher und andere Interessierte, um sich intensiv mit dem Thema: "Öffentliche Segnung von gleichgeschlechtlichen Paaren, die in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft leben" auseinanderzusetzen.
Hintergrund war der Beschluss der Landessynode vom November 2011, die öffentliche Segnung von gleichgeschlechtlichen Paaren in einem Gottesdienst zu ermöglichen. Dabei wird vorausgesetzt, dass die Paare in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft leben und eine der zu segnenden Personen evangelisch ist. Einige Gemeindeglieder hatten jedoch Zweifel angemeldet, ob dieser Beschluss mit der Bibel und ihrer Botschaft konform gehe. Ziel des Studientages sei es, so Studienleiterin Sieglinde Repp-Jost, in dieser Frage mehr Klarheit zu gewinnen und den Teilnehmern und Teilnehmerinnen zu einer eigenen Urteilsbildung zu verhelfen.
Zum Einstieg in das Thema zeigte Studienleiter Johannes Meier einen kleinen Film, in dem gleichgeschlechtliche Paare zu Wort kamen, die als Christen leben.
In einem sehr klaren und lebendigen Vortrag über den biblischen Befund, machte Prof. Dr. Rainer Kessler (Marburg) anschließend deutlich, dass das Thema Homosexualität gegenüber anderen Fragen der Lebensgestaltung in der Bibel nur ein Randthema darstelle. Gleichwohl müsse man feststellen, dass Paulus die gleichgeschlechtliche Sexualität verurteile. Dies begründe der Apostel jedoch nicht ethisch, sondern kulturell. Er übernehme dabei das antike Wertesystem, das zwar den sexuellen Verkehr zwischen zwei freien Männern ablehne, nicht jedoch zwischen einem Freien und einem Sklaven.
Aus den Einsichten in den biblischen Befund folgerte Prof. Dr. Kessler: "Wir können die unterschiedlichen normativen Anweisungen der Bibel nicht fraglos in die heutige Lebenswelt übernehmen. Wir müssen vielmehr nach dem Begründungszusammenhang fragen." Ferner machte er deutlich, dass für Christen nicht einzelne Bestimmungen, sondern allein Jesus Christus und seine Botschaft das Maß aller Dinge seien. Gut oder schlecht sei nicht die Form einer Sexualität, sondern die Art und Weise wie sie gelebt werde. Im Sinne Jesu sei lediglich eine Sexualpraxis abzulehnen, die auf Herrschaft und Unterdrückung beruhe.
Propst Helmut Wöllenstein aus Marburg verwies in seinen Ausführungen über den Synodalbeschluss auf die langjährige intensive Auseinandersetzung mit dem Thema seitens der Kirchenleitung. Schon 2003 habe die Synode beschlossen, die Segnung von gleichgeschlechtlichen Paaren zu ermöglich, damals jedoch nur im nicht-öffenltichen Rahmen der Seelsorge. Dies hätten viele Betroffene als Diskriminierung empfunden. Die öffentliche Segnung gleichgeschlechtlicher Paare anerkenne die neue Rechtslage, die durch das Lebenspartnerschaftsgesetz gegeben sei.
Nach einem intensiven Austausch in Kleingruppen, rundete Propst Wöllenstein den Studientag ab mit Gedanken über die Bedeutung des Segens.
"Komm, Herr, segne uns, dass wir uns nicht trennen", mit dieser gemeinsam gesungenen Bitte fanden die Beratungen und Diskussionen ihren Abschluss.
Prof. Dr. Rainer Kessler: ''Normative Anweisungen nicht fraglos übernehmen.''Propst Helmut Wöllenstein: ''Der Segen Gottes gilt allen Menschen.''

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