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Frieden - Hoffnung - Sehnsucht - Friedensaktivitäten im Nahostkonflikt

Do 06.10.2011 09:15
Ein offenes leuchtendes Kreuz, daneben eine Taube auf einem Stacheldrahtzaun und dahinter ein angedeuteter Schatten. So sieht das Logo des "Ökumenischen Begleitprogramms in Palästina und Israel" aus.
"Der Schatten, das sind wir, die Freiwilligen des Ökumenischen Begleitprogramms," sagt Jonas Schäfer aus Jena, 30 Jahre alt. Vor einer Woche erst ist er von seinem Einsat auf der Westbank zurückgekehrt. Auf Einladung des Evangelischen Forums berichtete er, zusammen mit Giselher Hickel, am Mittwoch, dem 05.10.2011 in der Auferstehungskirche von seinen Erfahrungen. Er trägt an diesem Abend die sandfarbene Weste mit dem Logo, sozusagen das Erkennungsmerkmal der Freiwilligen. Mit ihrer gewaltfreien Präsenz wollen sie einen Schatten des Friedens auf die Besatzung Palästinas werfen. Drei Monate lang war Jonas Schäfer mit einem Team von anderen Freiwilligen des Ökumenischen Begleitprogramms ganz im Süden der Westbank unterwegs. Die arabischen Dorfbewohner, meist Bauern und Viehzüchter, werden immer stärker von den jüdischen Siedlern bedrängt. Zu den Aufgaben der Freiwilligen gehört, die Menschen in den palästinensischen Dörfern zu besuchen, ihnen zuzuhören, Übergriffe und gewaltsame Aktionen der Siedler zu beobachten und zu dokumentieren, aber auch arabische Kinder auf ihrem Schulweg zu begleiten. Immer wieder kommt es vor, dass sie an einem der Grenzabsperrungen aufgehalten und angefeindet werden. Viele Kinder haben deshalb große Angst vor dem Schulweg.
Eine andere gewaltsame Aktion hat Jonas Schäfer gefilmt: in Begleitung des israelischen Militärs zerstört ein Bagger die Masten einer Stromleitung, die ein arabisches Dorf mit Strom versorgte. Fortan werden die Menschen dort weder einen Kühlschrank anschließen noch ihre Handys aufladen können.

Wie ist so etwas möglich?
Giselher Hickel, Pfarrer im Ruhestand aus Berlin, erläutert die geopolitische Situation.
Mit dem Vertrag von Oslo wurde die Westbank in drei unterschiedliche Verwaltungszonen unterteilt, die jedoch nicht zusammenhängen.
In den Gebieten der Zone A regiert die palästinensische Autonomiebehörde,
in den Gebieten der Zone B ist die Autonomiebehörde nur für die Zivilverwaltung zuständig, für die Sicherheit aber die israelische Militärverwaltung. Die Gebiete der Zone C werden gänzlich von der israelischen Militärverwaltung regiert. Daneben gibt es weite Sperrgebiete, vorwiegend entlang des Jordanflusses, in denen Palästinenser sich nicht ohne Sondergenehmigung aufhalten dürfen. Zu den israelischen Besatzungsmerkmalen gehört außer dem Siedlungsbau, die gezielte Zerstörung von palästinensischen Häusern und der Bau einer hohen Maueranlage, die palästinensische Gebiete vom Gesamtgebiet der Westbank abtrennt. Palästinenser, die in dieser sog. "Seam-Zone" wohnen, müssen einen Checkpoint passieren. Die Wartezeiten betragen oft mehrere Stunden, die Kontrollen sind hoch. Wer rechtzeitig zur Arbeit kommen will, muss nachts oft schon um 3 oder 4 Uhr aufstehen.

In dieser schwierigen und für die palästinensischen Bewohner ziemlich hoffnungslosen Lage, hat der Ökumenische Rat der Kirchen 2002 auf Bitten der Kirchen Palästinas das "Ökumenische Begleitprogramm in Palästina und Israel" (EAPPI)begründet. Freiwillige dieses Programms sollen eine menschliche Kette der Hoffnung auf Frieden und Gerechtigkeit und Versöhnung bilden, um auf ganz neue, eben gewaltfreie Weise, auf die Besatzung Palästinas zur reagieren.

Giselher Hickel, der im vergangenen Jahr an einem Checkpoint in Bethlehem eingesetzt war, sagt: "Wir sind nicht parteiisch, aber wir ergreifen Partei im Sinne der Menschenrechte und des internationalen Völkerrechts. Und wir tun das zusammen mit israelischen Friedensaktivisten."

Als "Schatten des Friedens" wollen die Freiwilligen die Friedensaktivitäten auf beiden Seiten - sowohl auf der Westbank als auch in Israel - unterstützen.

Wer sich für dieses Programm interessiert und vielleicht selbst gerne an einem solchen Einsatz mitwirken möchte, erhält nähere Informationen unter www.eappi.org .

Für die knapp 20 Teilnehmenden des Abends haben die Informationen und Berichte nicht nur einen bewegenden Eindruck hinterlassen, sondern auch die jüdisch-christliche Friedensbotschaft, die in genau dieser Region ihren Ausgang nahm,
gestärkt.

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