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Spannender Abend der Begegnung mit muslimischen Gästen

Fr 28.01.2011 10:32
"Muslim sein im Alltag" - Wie leben Muslime im Werra-Meißner-Kreis?
Diese Frage stand im Mittelpunkt eines Abends der Begegnung und des Gesprächs am Donnerstag, den 27.1.2011 im Gemeindehaus Bei der Marktkirche, zu dem das Evangelische Forum eingeladen hatte. Aus den Moscheevereinen in Witzenhausen und Hessisch-Lichtenau waren acht Vertreter der Einladung gefolgt, darunter auch ein Imam und zwei Jugendliche. Unter den 40 Besuchern des Abends, so stellte sich bald heraus, befanden sich auch zwei Vertreter des muslimischen Kulturvereins in Sontra und zwei Mitglieder des Ausländerbeirats in Eschwege. Letztere berichteten von der Gründung eines Moscheevereins in Eschwege, der in Kürze am Nicolaiplatz beheimatet sein wird. Als weiterer Gast begleitete Pfr. Konrad Hahn, Islambeauftragter der Landeskirche, den Abend.
"Es gibt keine verlässlichen Zahlen darüber, wie viele Muslime im Werra-Meißner-Kreis tatsächlich leben, da die Meldeämter dazu keine Daten erheben.", erläuterte Pfarrerin Sieglinde Repp-Jost zu Beginn des Abends die Datenlage. Man könne höchstens indirekt über die Zahlen von ausländischen Mitbürgern einer bestimmten Staatsangehörigkeit Rückschlüsse auf die Religionszugehörigkeit ziehen. Damit entfallen jedoch Zahlen über eingebürgerte oder zum Islam konvertierte Muslime.
Mit etwa 400 Mitgliedern, meist türkischer Herkunft, ist der Moscheeverein in Hessisch-Lichtenau die größte Vereinigung in der Region. Die Vertreter, die alle sehr gut deutsch sprachen, erzählten, dass die meisten von ihnen bereits in der zweiten und dritten Generation hier leben. Für dieses Jahr sei die Einweihung eines neuen Moscheebaus geplant.
Die vier Vertreter des Vereins aus Witzenhausen, die ebenfalls alle türkischer Herkunft waren, erläuterten, dass ihr Verein durch die Studierenden der Gesamthochschule einen internationalen Charakter habe. Schon die Sprache sei beim Freitagsgebet ein Problem.
Die sehr lebhaft und engagiert geführten Gespräche dieses Abends machten deutlich, dass sowohl auf Seiten der Muslime als auch der Besucher ein hohes Interesse und Bedürfnis nach Begegnung und Austausch besteht. "Probleme" so die einhellige Meinung aller muslimischen Vertreter, "unsere Religion auszuüben, haben wir nicht. Wir leben gerne im Werra-Meißner-Kreis." In den unterschiedlichen, teils kontroversen Beiträgen der muslimischen Vertreter darüber wie sie konkret ihre Religion ausüben und sie verstehen, wurde jedoch auch die Schwierigkeit eines solchen Austauschs deutlich. Während die Einen in ihrem Verein eine pragmatisch orientierte Frömmigkeit, geprägt von einem liberalen Verständnis pflegen, üben andere ihre Religion ohne Anbindung an einen Moscheeverein aus. Die nötige Orientierung holen sie sich in Internetrecherchen.
"War dies ein gelungener Abend?", fragte Vera John, Journalistin beim HR am Ende der Veranstaltung Pfr. Konrad Hahn. "Auf Grund meiner vielen Begegnungen kann ich sagen," so Pfr. Hahn, "das war ein sehr guter und gelungener Abend, weil er über das Kennenlernen hinaus ging und geprägt war von dem Bemühen sich gegenseitig zu verstehen."
Am Ende bedankte sich nicht nur Pfrin. Repp-Jost bei den Gästen, sondern auch die muslimischen Vertreter für den Abend und sprachen ihrerseits an alle Anwesenden die Einladung aus zu einem Gegenbesuch in ihren Vereinen.
Gesprächsforum mit muslimischen Gästen aus Witzenhausen und Hessisch-Lichtenau

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