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FROHE WEIHNACHTEN from CSI Church Siruguppa to Eschwege

Mo 20.12.2010 08:47
Nach meinem Studienaufenthalt in Südindien fing der heimatliche Alltagsbetrieb für mich mit dem Weihnachtsmarkt am 1. Advent an. Es tut gut, wieder in vertrauter Umgebung vor Kälte zu zittern. Die Fotos von der Weihnachtsfeier der Sonntagsschule in Siruguppa lüften vorübergehend den Vorhang zu einer weihnachtlichen Welt ganz anderer Art, ohne Schnee und wenn mit Nadelbaum, dann mit Koreanischer Kiefer. Wer mich alles auf die Temperaturen in Indien angesprochen hat! Ich scheine wohl nicht der Einzige zu sein, der sich dieser Tage mit Sorgfalt warm anzieht.

Hier nun also die Fotos vom Kinderheim "Naava Dschievana" - "Neues Leben", wo ich im Oktober gewesen bin. Nahezu zeitgleich zum Kreiskonfirmandentag am 9.10.2010 in Eschwege waren Ludger Arnold, Alexander Marth und ich in unserem indischen Partnerkirchenkreis und besuchten selbstverständlich auch die 30 kleinen Mädchen in Harriet Kundargis Haus. Die meisten der Kinder sind AIDS-Waisen, aber nicht bei allen sind die Eltern an der Immunschwächekrankheit gestorben. Eins der Kinder hat seine Mutter verloren, weil der Vater sie ermordet hat; aber weil die Familie so arm ist, interessiert das die indische Polizei nicht weiter. In dem Heim haben auch nicht nur die Kinder ein neues Zuhause gefunden, auch eine der Mitarbeiterinnen fand mit ihrer Tochter bei "Naava Dschievana" eine neue Bleibe - und eine sichere Zufluchtsstätte vor ihrem gewalttätigen Ehemann. "Naava Dschievana" ist Waisenhaus, Frauenhaus, und neuerdings auch Altersheim: Eine Witwe, die ihr einziger Sohn mit dem Satz "Sieh zu, wo Du bleibst!" aus dem Haus geworfen hatte, gehört mittlerweile ebenfalls zum lebenden Inventar.

Und in diesem offenen Haus feierte am 3. Advent die Sonntagsschule der örtlichen Evangelischen Kirchengemeinde von Siruguppa ihre Weihnachtsfeier. Da wurden Spiele gespielt, Sketche vorgetragen, - die Mädchen aus dem Haus hatten schon im Oktober begonnen, mehrere neue Tänze für diesen Tag einzuüben, - Kostüme wurden genäht, nur für diesen Auftritt, - und für alle Kinder (30 aus dem Heim und nochmals 30 aus der Gemeinde) und ihre Angehörigen (die meisten der Mädchen im Heim haben noch Großmütter) wurde gekocht. Es war also ein buntes Programm mit einem Hauch von "Speisung der 5000".

Apropos "buntes Programm": Der farbenfrohe Fallschirm auf einem der Fotos ist ein Geschenk von Jemandem aus Weidenhausen. Die Leiterin des indischen Kinderheims hatte vor mittlerweile 10 Jahren im Evangelischen Kindergarten in Weidenhausen mit den Kindern getanzt. Ob sich unter den heutigen Jugendlichen in der Region am Meißner wohl noch jemand an die indische Tanzstunde vor 10 Jahren erinnert?

Die Kinder von "Naava Dschievana" haben mich gebeten, ich möchte mich doch bitte bei allen Konfirmandinnen und Konfirmanden des Kirchenkreises Eschwege für die Spende vom Konfirmandentag bedanken. Das waren sage und schreibe 500,- €. Grob gerechnet sind das 32.500 Rupien. Das ist schon eine gewaltige Summe. Den Dank gebe ich gern weiter, und ich verrate auch genauso gern, was auf dem Schild zu lesen ist, das ein Kind auf dem Gruppenfoto auf der Treppe vor dem Haus in Händen hält. Da steht: "FROHE WEIHNACHTEN from CSI Church Siruguppa to Eschwege."

Also dann: FROHE WEIHNACHTEN und einen gesegneten Start ins Neue Jahr.

Rolf Hocke

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