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Einführung Pfarrerin Rosemarie Nohl in Wanfried

So 30.05.2010 17:00
Am Sonntag Trinitatis wurde Rosemarie Nohl als Pfarrerin von Wanfried eingeführt. Den Festgottesdienst hielt Dekan Dr. Martin Arnold mit Propst Reinhold Kalden, Mitgliedern des Kirchenvorstandes Wanfried und Pfarrerehepaar Elsemarie und Wolfgang Schmidt-Nohl.
Die musikalische Gestaltung des Gottesdienstes lag in den Händen von Hans-Jörg Schneider an der Orgel, dem Posaunenchor unter Leitung von Peter Stoldt und dem Ökumenischen Chor "Cantemus" unter der Leitung von Bettina Exner.

Im Anschluss an den Gottesdienst war die Gemeinde zum Empfanf in das Gemeindehaus eingeladen. Bürgermeister Gebhard, Pfarrer Koch (Schwebda), Pfr. Schmitt (kath. Kirchengemeinde), Wolf-Artur Kalden (Hauptmann des Schützenvereins für die Vereine Wanfrieds), der Kirchenvorstand Wanfried, Pfr. Kunstmann für die Kirchenvorstände des Kirchspiels Altenburschla und den Gesamtverband) und Propst Kalden richteten ihre Grußworte aus.

Die festpredigt hielt Pfrin. Nohl über ihren am 28. Oktober 2007 empfangenen Ordinationsspruch:

Predigt der Eingeführten über Jeremia 15,16
"Dein Wort ist meines Herzens Freude und Trost; denn ich bin ja nach deinem Namen genannt, Herr Gott, Zebaoth!"

Gnade sei mit euch und Friede von dem der da ist, der da war und der da kommt!

Liebe Schwestern und Brüder,
das biblische Wort, das dieser Predigt zu Grunde liegt, ist ein Rechtfertigungs- und Bekenntniswort des Propheten Jeremia.
Unter, über und in seinem Amt bekennt er:
"Dein Wort ist meines Herzens Freude und Trost;
Denn ich bin ja nach deinem Namen genannt, Herr Gott, Zebaoth!!"

Jeremia leidet unter seinem Amt und er spricht mit Gott.
In seinem Amt als Prophet wendet er sich an Gott
und wird durch Gottes tröstendes Wort wieder über die Grenzen seines Könnens und seiner Kraft emporgehoben.

In den vorangehenden Sätzen beklagt er sich bei Gott und bittet ihn um Hilfe.
"jedermann flucht mir! Herr, räche mich an meinen Verfolgern! Du weißt, dass ich um deinetwillen geschmäht werde!"
Denn Jeremia hat eine unbequeme Botschaft auszurichten: Bessert euer Leben und euer Tun!", ruft er aus (Jer 7). "Lasst ab von der Gewalt! Lauft nicht fremden Göttern nach!"
Er soll dem untreu gewordenen Gottesvolk das Gericht des Herrn ankündigen.
Gott spricht zu Jeremia: "Ich will meine Worte in deinem Mund zu Feuer machen,
und dies Volk zu Brennholz, dass es verzehrt werde!"
Er hat von Gottes Wahrheit zu sprechen - und damit macht er sich offenbar mehr Feinde als Freunde.

Um dieses Prophetenamt hat Jeremia sich nicht gerissen.
Als Gott ihn berief, antwortete er: "Herr, Herr, ich tauge nicht zu predigen, denn ich bin zu jung!"
Aber Gott hatte ihm von Anfang an Hilfe zugesagt:
"Sag nicht du bist zu jung, sondern du sollst gehen, wohin ich Dich sende, und predigen alles, was ich Dir gebiete! Fürchte dich nicht vor Ihnen, denn ich bin bei dir und will dich erretten, spricht der Herr…Siehe, ich lege meine Worte in deinen Mund!" - Was für eine Zusage!
Was für eine eindeutige und verheißungsvolle Berufung!

Bei mir war das mit der Berufung irgendwie anders:
Ich war ungefähr in der 12. Klasse, als mir auf einmal klar wurde, dass ich Pfarrerin werden wollte. Ich weiß nicht mehr, wann genau das war und wie das kam. Sicher war es ein ganzes Stück weit Prägung durch mein Elternhaus:
An meinen Eltern hatte ich gesehen und abgeleitet,
dass der Pfarrberuf der wohl schönste Beruf auf Gottes Erden sei.
Das war eine unvollständige Schlussfolgerung, weil wir Pfarrerskinder doch viel von der Schwere dieses Amtes nicht mitbekommen hatten.
Unsere Eltern teilten nur die schönsten Seiten dieses Amtes mit uns, und davon gab es ja viele: das offene Pfarrhaus, die feierlichen Gottesdienste, Besuche bei freundlichen Menschen, Gemeindefeste,…
aber die vielen Stunden am Schreibtisch, die unterdrückten Tränen an den Gräbern oder andernorts, einen Großteil der Konflikte in der Gemeinde, das hielten die Eltern von uns Kindern fern.

Als es dann für mich mit dem Studium los ging, hatte ich zum Glück noch keine Ahnung, was es bedeutet, neben dem Latein aus der Schule noch Hebräisch und Griechisch zu pauken, Seminararbeiten zu schreiben und eines Tages ein Examen abzulegen.
Manchmal denke ich, ich bin da so reingeschlittert. Zwar voller Gottvertrauen, aber auch irgendwie ahnungslos, vielleicht auch naiv.
Da wünschte ich mir fast, ich hätte so eine eindeutige Berufungssituation wie der Jeremia gehabt, wo Gott mir ganz klar sagt "Geh wohin ich dich sende und predige, was ich dir gebiete! - ich, Gott, lege meine Worte in deinen Mund!"

Als ich dann die Jahre des Studiums
und ein wunderbares, lehrreiches und durch geistliche Erfahrungen gesegnetes Vikariat in der Kirchengemeinde Lohfelden hinter mir hatte
sollte ich im Oktober 2007 ordiniert werden.

Nach meiner Taufe und meiner Konfirmation ist meine Ordination das wichtigste geistliche Ereignis meines Lebens gewesen,
weil dort Gottes Auftrag an meine Amtsgeschwister und mich ausgesprochen wurde, ausgerichtet wurde
und die mitgehende Kraft Gottes in einem besonderen Rahmen verheißen wurde.
Hier wurde Gottes Zuspruch laut - und seine Beauftragung.

Zugleich habe ich verstanden,
dass ich immer wieder neu nach Gottes Willen fragen muss.
Ich muss mich immer wieder vergewissern, dass das von mir verkündigte Wort wirklich GOTTES Wort ist,
dass ich SEINE Macht bezeuge,
und nicht mit MEINER Macht spiele.
Gottes Wort hilft mir, Suchbewegungen des Lebens auszuhalten und Orientierung in meinen Fragen zu finden.
Von Jeremia lerne ich, dass die Beziehung zu Gott reift
und in Bewegung bleibt.
Gott geht mit, er tröstet und stärkt.

Bei meiner Ordination dachte ich:
Wenn Gott mich bisher geführt hatte, dann würde es wohl in seinem Sinne sein, dass ich mich in seinen Dienst stelle,
mit allem, was mir gegeben ist.

Und mein Ordinationsspruch, den mir die Prälatin ausgesucht hat,
der benennt meine Wegzehrung auf dem Weg im Amt durch mein Leben:
"Dein Wort ist meines Herzens Freude und Trost;
Denn ich bin ja nach deinem Namen genannt, Herr Gott, Zebaoth!!"

Gottes Wort ist mir Richtschnur und Verheißung.
Ich sagte eben schon: Sein Wort hilft mir, Suchbewegungen auszuhalten und Orientierung zu finden.

Gottes Wort ist zum einen sein Gebot, seine Mahnung, zusammengefasst im Doppelgebot der Liebe: Du sollst Gott lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von all deiner Kraft und deinen Nächsten wie dich selbst.

Sein Wort ist aber zuallererst der Zuspruch seiner Liebe zu uns: Ich habe dich je und je geliebt, meine Kraft ist in den Schwachen mächtig, nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt,
rede und schweige nicht, denn ich bin mit dir und niemand soll sich unterstehen dir zu schaden - um nur einige starke biblische Gottesworte der Zusage zu zitieren.
Oder wie Gott dem klagenden Jeremia im weiteren Verlauf des Gesprächs antwortet: Ich mache dich für dieses Volk zur ehernen, unbezwinglichen Mauer. Sie werden dich bekämpfen, aber sie werden dich nicht überwältigen; denn ich bin mit dir, dir zu helfen und dich zu retten, spricht der Herr!"

Gottes Wort als Zuspruch seiner Liebe ist vor allem Jesus Christus, der das fleischgewordene Wort Gottes ist. Seine Herrlichkeit sehen, erleben und teilen wir. Er hat uns von der Macht des Todes erlöst - und uns so zum Leben befreit. Er hat uns befreit zum Leben und zur Gemeinschaft untereinander.

 Gottes Wort, als Mahnung, als Zuspruch und als menschgewordene Gottesliebe in Christus,
das war es,
was ich als Herzensfreude und Trost mitgebracht habe, als ich im November 2007 nach Wanfried kam,
um dieses Wort hier zu verkündigen,
es auch selbst verkündigt zu bekommen,
um Gottes Wort als Herzensfreude und Herzenstrost hier mit den Menschen zu kommunizieren, es mitzuteilen, zu teilen, zu leben.

Ein wesentlicher Unterschied zwischen Jeremia und mir ist die von ihm beklagte Verfolgung und Schmähung und die Einsamkeit,
in die ihn seine unbequeme Botschaft an die Menschen geführt hatte.
Einsam bin ich hier zu fast keiner Zeit gewesen.
Da steigen zum Beispiel die Bilder vom Renaissancejahr in mir auf.
Ich denke an unsere vielen lebendigen und festlichen Gottesdienste,
an turbulente Gemeinschaft mit den Konfis, in der Schule und in der Kindertagesstätte,
an gemeinsames geistliches Erleben in unseren Arbeitskreisen,
hier in der Gemeinde wie auch in ökumenischer Gemeinschaft.
Ich denke an die vielen Male, bei denen das Pfarramt zum kleinen Taubenschlag wird, an fröhliche Menschentrauben im Zusammenhang der Gottesdienste, …

Und wer mit einem Kirchenvorstand wie hier in Wanfried zusammenarbeiten darf, der steht nicht alleine im Sturm.
Solche Menschen (wie unser Kirchenvorstand und unsere kirchlichen Mitarbeitenden), solche Menschen hätte ich dem Jeremia gewünscht, die mit ihm durch die persönliche und dienstliche Anfeindung gehen, die mit ihm die Botschaft ausrichten,
die hinter ihm stehen, ermutigend und entlastend!
Solche Menschen wie hier in den Vereinen oder wie unsere kommunalen Amts- und Würdenträger hätte ich dem Jeremia gewünscht,
die einen mit offenen Armen empfangen,
Hilfe anbieten und tatsächlich geben,
für die die Kirche (und damit das Wort Gottes) dazu gehört!
Solche Amtsgeschwister hätte ich dem Jeremia gewünscht,
die aufbauen, zupacken und trösten!
Oder eine Familie wie meine: zuverlässig, kritisch und liebevoll.

Ja, ich gebe zu:
hier und da hat mich das Amt auch Einsamkeit empfinden lassen:
Wenn man als Dienstvorgesetzte unschöne Botschaften hat, oder sich in Sachen Friedhofsordnung streitet oder wenn Teams nicht funktioniert haben, es Meinungsverschiedenheiten gab…als private Sicherheiten zerbrachen, mich unsicher machten,
mit Blick auf die Gemeinde vielleicht für Unsicherheit sorgten.
Aber in all diesen Herausforderungen stand ich nie alleine da. Ich durfte erfahren, wie ich von Gott und den Menschen gestärkt und getröstet wurde und deswegen auch selbst wieder Kraft bekam,
andere zu stärken und zu trösten.

Deshalb kann ich mit Jeremia bekennen, dass Gottes Wort
unseres Herzens Freude und Trost ist
und dass wir nach seinem Namen genannt sind!

Nach Gottes Namen benannt zu sein,
das war mir gerade in den Umbrüchen und auch irdischen Namenswechseln eine wichtige Konstante in meinem Leben.
Gott, ich bin nach deinem Namen benannt!
Zu dir gehöre ich, durchgehend, egal was kommt!

Und nicht nur ich, sondern auch ihr!
Die Verheißungen Gottes an Jeremia sind keine Verheißung nur an Jeremia, sondern immer als Freude und Trost des ganzen Gottesvolkes ausgesprochen.
Nach Gottes Namen benannt ist nicht nur sein Bodenpersonal, die Funktionäre und Amtsträger der Kirche,
sondern die ganze Gemeinde getaufter Christinnen und Christen!
Durch unsere Taufe sind wir alle nach seinem Namen benannt und diese Zugehörigkeit hört auch nicht auf, wenn wir sein Wort einmal mehr stammelnd bezeugen
oder zwischen Schuld und der verheißenen Gnade
an seiner Barmherzigkeit zweifeln.

Wir Christinnen und Christen sind nach seinem Namen genannt und gehören zu ihm - im (hier im Werra Meißner-Kreis so oft diskutierten) demografischen Wandel wie auch jedem anderen Wandel.

In der Taufe wurde Gottes Name über uns ausgerufen,
und damit sind wir seinem Hoheitsrecht unterstellt,
das uns alle in seinen Dienst nimmt, -
die aufgrund ihrer Ausbildung und Berufung ordinierten Geistlichen wie auch alle anderen Glieder des Leibes Christi
als in Christus erworbenes Priestertum aller Getauften.
Dieses Hoheitsrecht unseres Herrn nimmt uns miteinander in den Dienst, UND
macht uns zugleich frei gegenüber Strömungen der Zeit, gegenüber Sorgen der Zeit oder der Region.
Die Zugehörigkeit zu ihm führt in die Freiheit,
die dieser Herrscher und Herr der Heerscharen, Gott Zebaoth, seinen Boten und dem ganzen Volk eröffnet hat.
Er ist der Herr seiner Gemeinde, seiner Kirche, in Zeit und Ewigkeit!
Und deswegen hängt an ihm unsere ganze Zukunft!
in die wir an seiner Hand getrost und fröhlich ausziehen können!
Wer sich ihm öffnet, bekommt seine Worte in den Mund gelegt,
als Speise, als Herzensfreude und Herzenstrost!

Einer Gemeinde, die sich um Gott und sein Wort als ihrer geglaubten und gelebten Mitte versammelt,
die diese Mitte immer wieder herausstellt,
von Unklarheiten und Nebensächlichkeiten bereinigt,
einer solchen Gemeinde geht es gut!
Eine solche Gemeinde bleibt lebendig, weil sie von dem lebt, der sie ins Leben rief und ihr Leben in Ewigkeit verheißen hat!

Jesus Christus ist der Eine,
der gegründet die Gemeine,
die ihn ehrt als teures Haupt.
Er hat sie mit Blut erkaufet,
mit dem Geiste sie getaufet,
und sie lebet, weil sie glaubt.
Amen
Ökumenischer Chor Cantemus auf der EmporeDie Kinder der ''Ev. KiTa zum Plessefelsen'' machen einen Spalier zum Einzug. Dahinter: Schützen des Schützenvereins WanfriedPfarrerehepaar Wolfgang und Elsemarie Schmidt-Nohl
FürbittengebetDekan Dr. Arnold, Wolfgang Wagner (2. Vorsitzender des KV Wanfried), Pfrin. Nohl, Propst KaldenPfr. Schmitt und Gisela Plötz von der katholischen Kirchengemeinde St. NikolausSchützenhauptmann Wolf Artur Kalden
Andreas von Scharfenberg, Ute Baden und Ute Lorenz-Roth vom KV Wanfried

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