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Erste Veranstaltung des Evangelischen Forums "Wirtschaftskrise in Eschwege?"

Do 25.06.2009 08:47
Mit einer Podiumsdiskussion zu den konkreten Folgen der Wirtschaftskrise in der Region widmete sich das neu gegründete Evangelische Forum Eschwege bei seiner Auftaktveranstaltung am 24. Juni 2009 einem aktuellen und brisanten Thema. Gut 70 interessierte Gäste verfolgten die Gesprächsrunde in der Marktkirche, die von den beiden Studienleitern des Evangelischen Forums, Pfarrerin Sieglinde Repp-Jost (Eschwege) und Pfarrer Johannes Meier (Sontra) moderiert wurde.
Zunächst schilderte der ehemalige Betriebsratsvorsitzende der Forma Hyco Pacoma, Bernd Löffler, den dramatischen Weg des eschweger Hydraulikzylinder-Herstellers in die Insolvenz. So wurde deutlich, dass die Entlassung von über 200 Menschen sowie die Überführung von weiteren 150 Mitarbeitern in eine sogenannte Auffanggesellschaft (bei nur mehr 67% Gehaltsfortzahlung für vier Monate) im direkten Zusammenhang mit den weltweiten Wirtschaftsverwerfungen steht. Löffler berichtete von den Ohnmachtsgefühlen, die der vor Ort unaufhaltsame Abstieg des einst größten Arbeitgebers der Region bei ihm selbst und bei der Belegschaft ausgelöst habe: "Es gab keinen Feind, gegen den wir hätten kämpfen können. Es ging irgendwann allein darum, wenigstens einen kleinen Rest der Firma überlebensfähig zu halten, wenigstens für ein paar Leute die Arbeitsplätze zu erhalten." Heute arbeiten von einst über 500 nur mehr 100 Beschäftigte bei Hyco Pacoma in Eschwege.
Anschließend kam durch Herti-Betriebsratschef Dieter Pommeranz ein weiterer drastischer Krisenfall zur Sprache: Erst wenige Stunden zuvor war bekannt geworden, dass das Traditionskaufhaus Herti bereits Ende Juli für immer seine Pforten in Eschwege schließen muss. Dieter Pommeranz artikulierte die Existenzängste der Herti-Beschäftigten, die nach oft langjähriger Verbundenheit mit "ihrem" Kaufhaus nun vor dem Weg in die Arbeitslosigkeit stehen. Besonders der bevorstehende Ausverkauf bereitete dem Betriebsratsvorsitzenden Sorgen, dieser bedeute eine extreme psychische Belastung für alle Mitarbeiter. Pfarrerin Sieglinde Repp-Jost appellierte in diesem Zusammenhang an alle Kunden, bei der bevorstehenden Schnäppchenjagd dennoch die Würde und den berechtigten Stolz der hochqualifizierten Herti-Mitarbeiter zu achten.
In einer Abschließenden Diskussionsrunde betonte Herbert Lucan, Leiter des landeskirchlichen Referats für Arbeit, Wirtschaft und Soziales, die Bereitschaft und Verantwortung der Kirche, gerade in solchen Krisensituationen den Menschen beizustehen und sie zu begleiten. Es sei wichtig, gemeinsam immer wieder nach Auswegen und neuen Perspektiven zu suchen und nicht mit seiner Kränkung und Hilflosigkeit allein im stillen Kämmerlein zu bleiben. Zumindest für die Auszubildenden von Hyco Pacoma habe man so in Partnerschaft mit der Stadt, dem Landkreis und einem Unternehmensnetzwerk tatsächlich konkrete Hilfe organisieren können: Die jungen Pacoma-Azubis können nun bei der unter kirchlicher Trägerschaft stehenden "Werkstatt für junge Menschen" ihre begonnene Ausbildung bis zum Ende absolvieren.
Auch das Publikum beteiligte sich mit Diskussionsbeiträgen engagiert an diesem ersten "Evangelischen Forum wider die Sprachlosigkeit", dass nach gut anderthalb Stunden mit einem kurzen geistlichen Wort und einem Segen durch die beiden Studienleiter seinen Abschluss fand.
Pfr. Johannes Meier und Pfrin. Sieglinde Repp-Jost eröffnen das PodiumsgesprächCa. 70 Besucher nahmen an der Veranstaltung teilPfr. Meier im Gespräch mit Herrn Löffler, ehemaliger Betriebsratsvorsitzender von Hyco PacomaPfrin. Repp-Jost im Gespräch mit Herrn Pommeranz, Betriebsrat von Hertie
PodiumsgesprächHerr Konrad, Wirtschaftsförderer der Stadt Eschwege''Glaube, Liebe, Hoffnung'' - Skulptur von Walter GreenPfr. Meier, Pfr. Lucan, Herr Löffler, Herr Pommeranz und Pfrin. Repp-Jsot

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