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Zuerst war es Faszination

Fr 24.04.2009
Zuerst war es Faszination

Leni geht online. Immer häufiger taucht sie ab in Foren, Chats und Flirt-Communities.
Tack, tack, tack klingen die Tasten unaufhörlich aus ihrem Zimmer. Sonst ist es still geworden um Leni. Ihren Eltern macht das zunehmend Sorge. Ist Leni gefährdet?
Diesen und ähnlichen Fragen sind die Konfirmanden aus Oetmannshausen und Langenhain um Pfarrer Ralph Beyer jetzt auf den Grund gegangen und haben dabei ihren eigenen Umgang mit PC und Internet kritisch hinterfragt.
Die Ergebnisse der Konfirmanden-Freizeit in Brotterode (Thüringen) können sich sehen lassen. Während ihres Vorstellungsgottesdienstes Anfang April präsentierte die Konfirmandengruppe eine differenzierte Vorstellung über den Umgang mit dem Internet.
Sie lieferte Hinweise auf mögliche Ursachen und Lösungsansätze, wie man aus exzessivem Onlinesein aussteigen kann.
"Ich bin Hansi. Bin 14 Jahre alt. Ich zocke 24/7 ..." Vor staunendem Publikum stellen die 14-jährigen in kleinen Rollenspielen Episoden dar, die Computersucht auch als Symptom ganz anderer Probleme enttarnt: Schwierigkeiten in der Schule, Ablehnung und soziale Isolation, Ärger mit den Eltern.
Die Flucht in künstliche Welten könne für einen Moment Glücksgefühle hervorrufen, wenn man sich - je nach Angebot - von charmant und aufreizend bis hin zu brutal und Angst einflößend präsentiert. Wer das als kurzfristigen Spaß verbuche, sei nicht gefährdet.
Süchte entständen, wenn das Verlangen nach diesem einmal Erlebten immer wiederkehrt.
Die Hessische Landesstelle für Suchtfragen bestätigt das Bild. Studien zufolge werden bis zu zwölf Prozent der Internetnutzer als süchtig eingestuft. Mit dem Projekt "Netz mit Webfehlern", das hessenweit von der Techniker Krankenkasse gefördert wird, möchte sie für das Thema sensibilisieren.
Pfarrer Beyer: "Da haben meine Kollegin Heike Schneider aus Caßdorf und ich spontan zugesagt und unsere gemeinsame Konfi-Freizeit auf das Thema ausgerichtet."
Internetsucht, so Ralph Beyer, beginne mit der Faszination der unbegrenzten Möglichkeiten.
Die Gefahren, die exzessives Chatten, Flirten oder auch Online-Spielen mit sogenannten Ego-Shooter-Spielen wie "Counter Strike Source" bergen, können Jugendliche oft nur schwer einschätzen. "Sie verlieren sich im medialen Sog und schlüpfen in virtuelle Rollen, in denen sie mit anderen wetteifern - um die meisten Online-Freunde beim Chat oder um den persönlichen Sieg innerhalb der stark verbreiteten Killerspiele."
Die Jugendlichen arbeiteten anhand der biblischen Erzählung des Zachäus Wege aus Suchtverhalten und Isolation heraus, die sie für den Gottesdienst auf einem Plakat festhielten: Dort stehen an erster Stelle der stabile Freundeskreis und Eltern, die zuhören können.
Information zum Thema und Beratung bietet die Fachstelle für Suchtprävention des Diakonischen Werkes Eschwege.

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