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Maria, Eva & Co Herbstveranstaltung 2008

So 25.01.2009 15:18
Herbstveranstaltung "Maria, Eva & Co"
"Sein wie keine andere"

Am Freitag, den 24. Oktober 2008 besuchte ich die von "Eva, Maria & Co. organisierte Herbstveranstaltung zu dem Thema "Sein wie keine andere". Begonnen hat Frau Hohmann mit einem Spruch von Sabine Naegeli. Da diese Sätze mich sehr berührt haben, zitiere ich:

Eigentlich
sollte ich aufbrechen aus der Enge verbrauchter Gewohnheiten.

Eigentlich
sollte ich mich weigern, fraglos zu funktionieren und mich zu verschweigen.

Eigentlich
sollte ich das Wort "eigentlich" streichen, um am Ende nicht sagen zu müssen
eigentlich hätte ich leben wollen.

Danach folgte die sehr interessant vorgetragene Vorstellung von Simone de Beauvoir. Sie war eine bedeutende Philosophin, Feministin und Schriftstellerin des 20. Jahrhunderts. Sie wurde 1908 in Paris geboren und verstarb im Jahr 1986 ebenfalls in Paris. Gemeinsam mit ihrer jüngeren Schwester wird sie von der Mutter im streng katholischen Sinne erzogen. Der Vater duldet dies, obwohl er ein Verfechter des Agnostizismus ist, also zweifelnd gegenüber allem, was mit Gott zu tun hat. Vielleicht ist durch diese unterschiedliche Auffassung der Eltern ihr Selbstbewusstsein schon früh so ausgeprägt, dass sie mit 14 Jahren zu Papier bringt, dass sie nicht mehr an Gott glaube. Simone de Beauvoir rebellierte schon in ihrer frühen Jugend gegen Konformismus und Bürgertum und plant zielsicher den Weg, den sie durch ihr Leben gehen will. Sie hat in vielen Lebensbereichen Tabus gebrochen, z. B. Ausbruch aus der Familientradition, finanziell unabhängige Existenz, wilde Ehe mit Jean-Paul Satre, Affären, Veröffentlichungen zu Themen wie Homosexualität, Dreiecksbeziehungen und Abtreibung. Sie hat Mut gemacht, fest gefahrene Strukturen zu hinterfragen. Sie hat den Anstoß dazu gegeben, auf unser eigenes leben zu blicken.

"Als Frau wird man nicht geboren, zur Frau wird man gemacht"

Dieser Satz aus ihrem literarischen Welterfolg "Das andere Geschlecht" kommt immer dann zum Tragen, wenn es um die Entwicklung der Frauenbewegung geht. In diesem Werk weist die Schriftstellerin eingehend auf die Unterdrückung der Frau im Patriarchat hin und analysiert die Rolle der Frau im Detail. Mit ihren feministischen Theorien hat sie so eine feste Grundlage für all die Frauenrechtlerinnen geschaffen, die sich nach ihr auf den gleichen Weg machten. Bei allem Engagement dieser bedeutenden Frau kann man sicherlich sagen, dass sie ihren Weg zielsicher gegangen ist, weil sie gestärkt war mit dem Gedanken zu "sein wie keine andere".

Im Anschluss daran wurde ein Quiz zum Thema "Frauenbewegung" veranstaltet. Die gemeinsam besprochenen Lösungen wurden diskutiert. Es wurde deutlich, dass die Diskriminierung der Frau auch noch vor nicht all zu langer Zeit sogar noch in Gesetzen schriftlich festgehalten wurde. Frau Krok (Regionalbeauftragte für Frauenarbeit im Sprengel Kassel) war sehr gut informiert und hat einen interessanten Vortrag über Sinn und Unsinn von Tabus gehalten. Konsens war, dass sich zwar schon einiges verbessert hat, es aber immer noch notwendig ist "am Ball zu bleiben". Danach bildeten wir Kleingruppen und diskutierten und fixierten: Wo habe ich ein Tabu gebrochen? Wo würde ich gern ein Tabu brechen? Als Frau Krok einige Ergebnisse vortrug, wurde mir klar, dass jede Frau für sich Tabu anders definiert. Was für die eine überhaupt kein Problem ist, ist für die andere ein fast unüberwindbares Hindernis.

Danach wurden von den Mitarbeiterinnen Beispiele von Frauen, die einen Tabubruch begangen haben, vorgetragen.

Zwischendurch haben wir gemeinsam mit Begleitung der Gitarrengruppe gut ausgewählte Lieder gesungen. In der Pause gab es verschiedene wunderschön angerichtete Köstlichkeiten und Getränke.

Es war eine rundum gelungene Veranstaltung und gab mir mit auf den Weg, meinen Weg als Frau selbstbewusst weiter zu gehen.

Anja John

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