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Welle der Gewalt in Indien erreicht Christen in Karnataka

Mi 17.09.2008
In Mangalore, der ganz im Süden Karnatakas gelegenen Hafen- und Universitätsstadt, spielten sich am vergangenen Sonntag unbegreifliche Akte der Gewalt ab. Prof. Rathnakar Sadananda und seine Frau Monika schreiben aus unmittelbarer Anschauung:

Liebe Freundinnen und Freunde,
der 14. September 2008 war ein trauriger Sonntag für die ChristInnen in Mangalore und den benachbarten Städten und Distrikten in Karnataka. Während der Gottesdienste am Sonntagmorgen zwischen 9 und 10 Uhr, drangen rechtsgerichtete Hindu-Fundamentalisten in kirchliche Einrichtungen ein, randalierten und beschädigten Kirchen, Klöster und kirchliche Anwesen. Die attackierten Kirchen gehören zur katholischen Kirche, zur Church of South India und manche zu einer charismatischen Bewegung namens "New Life". Auch die Zeugen Jehovas waren betroffen. Die CSI-Kirche, die schwer attackiert wurde und deren Altar geschändet wurde, war die einer tamilisch sprechenden Gemeinde. Ein römisch-katholischer Konvent nahe der Milagris-Kirche in Hampankatta im Stadtzentrum wurde ebenfalls geplündert. Sogar bis in die Nacht hinein wurden die Angriffe auf kirchliches Eigentum fortgesetzt.
Sie behaupten, dass "New Life" Pamphlete verbreitet, die Hindu-Götter verächtlich machen und dass die CSI und auch katholische Institutionen Hindus zum Christentum bekehren. Am Montag hat die katholische Kirche zu einem Protesttag aufgerufen. Alle Schulen, Colleges, Läden, Banken und Geschäfte blieben geschlossen. Busse und andere öffentliche Verkehrsmittel waren nicht in Betrieb. Die Katholiken versammelten sich in Kirchen und in kirchlichen Gebäuden, um dort zu beten und einen friedlichen Protest abzuhalten.
In der Vergangenheit war die Stadt Mangalore verschont geblieben von dieser Art von eklatantem Missbrauch von Macht und brutalen Gewalttätigkeiten. Während es früher meistens Muslime waren, so scheinen nunmehr die ChristInnen das Ziel von rechtsextremen Hindus zu sein. ChristInnen sind nun gezwungen, auf die Straße zu gehen, damit die christliche Stimme gehört wird, wobei es bei einer Demonstration auch zu Gewalttätigkeiten gekommen war in Vergeltung gegen gewalttätige Polizisten. Diese arbeiten Hand in Hand mit der staatlichen BJP-Regierung.
Bitte gedenken Sie dieser Stadt, die als das Rom des Ostens bezeichnet wird, und in der ChristInnen, Muslime und Hindus schon seit Jahrhunderten in Harmonie miteinander gelebt haben. Bitte beten Sie dafür, dass der gute Wille siegt, dass wir dies alles hinter uns lassen können und weiterhin in friedlicher Koexistenz leben können.

Mit tiefer Betrübnis zwei Bürger von Mangalore
Rathna und Monika Sadananda

1. Nachtrag: Montag, den 15. September formierten sich in Mangalore Christen unterschiedlicher Denominationen zu Protestmärschen. Hierbei kam es jedoch zu Ausschreitungen, die Polizei setzte Schlagstöcke und Tränengas gegen die Demonstranten ein. Es gab zahlreiche Verhaftungen.

Auf Englisch finden sich z. B. Fernsehberichte unter:
broadband.indiatimes.com/News/Karnataka_violence_PM_speaks_to_Yedyurappa/videoshow/3484606.cms

Bin Bericht der BBC über Verhaftungen unter:
news.bbc.co.uk/2/hi/south_asia/7616314.stm

Für Grußworte: Die Adresse der Diözese ist: csiksd@sify.com

2. Die Ausschreitungen in Orissa, die den Angriffen auf Christen und kirchliche Einrichtungen vorausgegangen waren, waren in ihrer Brutalität in Indien die schlimmsten dieser Art seit 60 Jahren.
Kapelle der Kirchlichen Hochschule in Mangalore

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