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Traurige Nachricht aus Indien: Kevin Kundargi ist tot

Sa 05.01.2008
Wenige Tage vor seinem 17. Geburtstag ist Kevin Kundargi in Siruguppa gestorben. Der Junge ist vielen Menschen bekannt geworden durch eine Hilfsaktion, die spontan für ihn zustande gekommen war (vgl. frühere Berichte im Archiv). Kevins Mutter Harriet Kundargi, Leiterin des Hosa-Balu-Projekts, das in Siruguppa/Bezirk Bellary ehemalige Tempelprostituierte betreut und HIV/Aids-Aufklärung betreibt, hatte auf Einladung des Kirchenkreises Eschwege im Frühjahr 2006 Deutschland besucht und ihre Arbeit in zahlreichen Veranstaltungen vorgestellt. Gleich nach ihrer Heimkehr war bei ihrem Sohn Leukämie festgestellt worden.
Nach dem anfänglichen Behandlungserfolg der Chemotherapie, die nur durch Spenden möglich geworden war, konnte Kevin seit Sommer 2007 wieder zur Schule gehen. Er feierte mit den anderen Mädchen und Jungen seines Jahrgangs die Konfirmation, - in Indien sind Konfirmanden generell älter als hierzulande -. Aber bereits seit dem Spätherbst verschlechterten sich seine Blutwerte wieder dramatisch. Die behandelnden Ärzte in Bangalore rieten von einer erneuten Chemotherapie ab, da sein Körper dafür zu schwach sei. An den Weihnachtsvorbereitungen in der Familie konnte er nur als Beobachter teilnehmen, doch am 1. Weihnachtsfeiertag blühte er noch einmal auf. Wer das Foto betrachtet, das ihn im Festtagsgewand am 25. 12. zeigt, kann nicht gleich auf den ersten Blick erkennen, dass hier ein Todkranker in die Kamera lächelt. Er ging mit zum Gottesdienst in die Kirche, wünschte vielen Menschen "Frohe und gesegnete Weihnachten" und feierte nachmittags eine Party mit seinen Freunden aus der Schule. Das hatte er sich gewünscht, und die Familie machte bereitwillig mit, rund 25 Jungen zu bewirten. Abends beim Lagerfeuer lag Kevin dann schon sehr müde, aber auch sehr zufrieden, in Decken eingepackt, auf seinem Bett.
Als sich sein Gesundheitszustand ab dem 27./28. Dezember zusehends verschlechterte, sprach es sich im Ort herum wie ein Lauffeuer. Der Pfarrer kam und feierte mit ihm das Kranken-Abendmahl. Am 30. Dezember kurz vor Mitternacht ist er dann gestorben. Über 2000 Menschen gaben ihm die letzte Ehre und defilierten den ganzen folgenden Tag über an seinem aufgebahrten Leichnam vorbei. Um 17.30 Uhr am 31. 12. 2007 wurde er beigesetzt.
In Indien ist es unter Christen üblich, nach 40 Tagen noch einmal zusammen zu kommen, um gemeinsam Abschied zu nehmen. Dann erst ist es üblich Ansprachen zu halten und des Verstorbenen öffentlich zu gedenken. Die Feier schließt, vergleichbar dem in unserem Kulturkreis gebräuchlichen Beerdigungskaffee, mit einem gemeinsamen Essen.
Die Benachrichtigung vom Tod Kevin Kundargis auf dem Wege über die Homepage des Kirchenkreises Eschwege erfolgt in Absprache und auf ausdrücklichen Wunsch der Familie Kundargi, die noch einmal ihren Dank zum Ausdruck bringen möchte für die Unterstützung, die ihr in den vergangenen 1 ½ Jahren durch materielle Hilfe und durch Fürbitte zuteil wurde.
Kevin Kundargi am 25. 12. 2007Familie Kundargi Weihnachten 2007Weihnachtslagerfeuer

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