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Die 1. Waldkappeler Hilpert-Orgeltage vom 7. bis 9. September 2007

Mo 10.09.2007
KONZERTRÜCKBLICK: Wie hab ich es bedauert, nicht bis zum Schluss bleiben zu können, aber für den Konvents-Gottesdienst in Röhrda besteht für Pfarrer/innen nun mal Anwesenheitspflicht. Also hab ich mich losreißen müssen, als die drei vereinigten Chöre von Volkmarsen, Külte (ohne "h" selbstverständlich) und Mecklar gerade den ersten Dirigentenwechsel hatten und Klaus-Peter Faring mit dem ihm eigenen Schwung und Feingefühl aus den Sängerinnen und Sängern einen mitreißenden Gospelchor werden ließ. Eben noch hatte es nach Kirchentag geklungen, dann nach Taizé, und eh man sich’s versah, hörte sich die versammelte Gemeinde aus nah und fern mehrstimmig den großen Magnificat-Doppelkanon singen und traute den eigenen Ohren nicht: Sind das wirklich wir, die da so toll klingen? Zwischendrin kleine, feine Texte von Gerhard Schöne, vorgetragen von Pfarrerin Ludwig-Heiderich. Und wo war die Orgel? Da, wo sie ursprünglich einmal hingehört hatte: Ins Zwischendrin und Drumherum, aber nicht als Unterstützung des Gemeindegesangs. Ja, so war das einmal gewesen in der Frühzeit der Geschichte der Orgel in christlichen Kirchen, und am 9.9.2007 war es wieder so. Toll, wenn Gemeinde selber mehrstimmig singt, weil ein Chor da ist, der einen sicher an die Hand nimmt und man/frau plötzlich merkt: Wir sind Manns/Fraus genug, die Kirche mit Gesang zu füllen.
Orgel als Kontrastprogramm, - für den Chor zum Verschnaufen - und für die Zuhörerschaft zum Genießen, Entspannen, das neudeutsche "Relaxen" wäre das falsche Wort, denn den vielen, vielen Menschen in der Kirche stellte Spezialkantor Andreas Batram am Sonntag zu Beginn des Konzerts für Chor und Orgel feinfühlig ganz unterschiedliche Facetten dieses einmaligen Instruments vor. Da war zum Wegdriften und Tagträumen wenig Gelegenheit: Es war einfach viel zu spannend, sich von immer neuen Klangfarben und zartesten Nuancen derselben überraschen und verzaubern zu lassen.
Am Freitagabend hatte er es gelegentlich ordentlich krachen lassen. Vorgewarnt hatte er uns ja: Nicht ‚romantische Orgelmusik‘ werde uns geboten, sondern ‚Orgelmusik der (Spät-)Romantik‘. Wenn da Reger im Programm steht, dann wird’s fulminant, vorsichtig ausgedrückt. Angenehm war, dass Herr Batram uns auf die einzelnen Werke einstimmte, sozusagen im Vorfeld aufmerksam machte auf die raffinierten, klangsinnlichen Eigenheiten der französischen Meister oder den hierzulande nahezu unbekannten Engländer, aus dessen schmalem Oeuvre ein Choralvorspiel zu "Abide with me - Bleib bei mir, Herr" erklang, das als Gemeindelied gesungen wurde.
Ganz anders war das Konzert am Samstagabend. Kantor Ludger Heskamps Orgelspiel war als Improvisationskonzert angekündigt gewesen, aber selbst ich, der ich mit eigenen Augen gesehen hatte, wie der Künstler kurz nach 7 noch eben die Melodie des Passions-Chorals "Christus, der uns selig macht" auf ein Notenblatt geschrieben hatte, um sie beim Spiel vor Augen zu haben, konnte es nicht glauben, dass da nicht seitenweise Orgelliteratur gespielt wurde, während 20 Minuten vergingen. Die bunten Glasfenster des Chorraums verloren währenddessen mehr und mehr die Leuchtkraft ihrer Farben, bis am Ende des Abends nur mehr die filigranen Linien der Bleiverglasung auf schwarzem Grund den Augen Anhaltspunkte zum Meditieren gaben.
Aus dieser romantischen Orgel aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, die zu Beginn des 21. Jahrhunderts nach allen Regeln der Kunst historisch so exakt wie irgend möglich restauriert worden ist, die ältesten Schichten herauszuschälen und sie über weite Strecken klingen zu lassen wie ein Renaissanceinstrument oder eine Orgel des Frühbarock, das war schon erhellend im besten Sinn des Wortes. Den krönenden Abschluss bildete eine von feinstem Jazz inspirierte Phantasie über einen 4-stimmigen Kanon, den einige der Zuhörerinnen und Zuhörer in wesentlich schlichterem musikalischem Gewand von dem musikalischen Mitmachgottesdient in Küchen Anfang August in Erinnerung hatten. Es war vielleicht nicht gerade der sprichwörtliche "Morgenrock der Ewigkeit", den dieses Liedchen da übergeworfen bekam, aber Samt und Seide, Brokat und Damast war es mindestens - und etwas Trevira-Kunstfaser war auch mit dabei.
Sie merken: Ich bin begeistert - von allen drei Konzerten der 1. Waldkappeler Hilpert-Orgeltage. Wenn Sie in diesem Jahr nicht dabei sein konnten, dann darf ich Sie schon jetzt für nächstes Jahr einladen: Fortsetzung folgt! Noch ist nicht aller Tage Abend in Waldkappel! r.h.
Klaus-Peter Faring in AktionDie vereinigten ökumenischen Kirchenchöre Volkmarsen, Külte&Mecklar

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