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Ministerpräsident Roland Koch besuchte Sozialen Stadtteilladen in Eschwege

Do 08.02.2007 11:41
Im Rahmen seiner mehrmals im Jahr stattfindenden Hessenreisen machte der hessische Ministerpräsident Roland Koch im Sozialen Stadtteilladen Heuberg in Eschwege Station. Er sei gekommen, um die diakonische Arbeit an diesem sozialen Brennpunkt kennen zu lernen, sagte Koch. Dabei lag eine spürbare Spannung in der Luft, weil das Land Hessen vor drei Jahren im Rahmen der "Operation sichere Zukunft" die Förderung des Stadtteilladens gestrichen hatte. Deshalb musste unter anderem die Schülerhilfe eingestellt werden.

Kreisdiakoniepfarrer Karl-Heinz Werner und Uschi Hesse, die Leiterin der Einrichtung, stellten dem Ministerpräsidenten sowie den zahlreich anwesenden Journalistinnen und Journalisten der Landespressekonferenz die Arbeit des Stadtteilladens vor. Der Stadtteil Heuberg ist geprägt durch den sozialen Wohnungsbau der fünfziger Jahre. Etwa sechzig Prozent der Bewohner sind Aussiedler oder Flüchtlinge aus Osteuropa und der ehemaligen Sowjetunion. Die Arbeitslosigkeit im Stadtteil liegt bei fünfundzwanzig Prozent.
Der soziale Stadtteilladen hat es sich zur Aufgabe gemacht, Familien mit besonderen sozialen Schwierigkeiten zu beraten und zu unterstützen. Dabei liegt der Schwerpunkt in der Kinderarbeit. Durch freizeitpädagogische Angebote und soziale Gruppenarbeit soll den Kindern ein Spiel- und Lernraum eröffnet werden der dazu beiträgt, den Teufelskreis von Armut, Bildungsarmut und Arbeitslosigkeit zu durchbrechen. Gleichzeitig bemüht sich die Einrichtung durch Sprachkurse (ehrenamtlich geleitet), ein internationales Frauenfrühstück, offene Treffpunktarbeit und andere Angebote um die soziale und kulturelle Integration der Menschen im Stadtteil. "Uns geht es darum, den Kindern einen Rahmen von Verlässlichkeit und Geborgenheit im Sinne eines zweiten Zuhauses zu schaffen und gleichzeitig die Kompetenzen der Familien zu stärken", sagte Frau Hesse.
Pfarrer Werner dankte der Stadt Eschwege, dem Werra-Meißner-Kreis und dem Kirchenkreis Eschwege, die durch Bürgermeister Jürgen Zick, Landrat Stefan Reuß und Dekan Dr. Martin Arnold vertreten waren, für ihr großes Engagement zur Erhaltung dieser Arbeit im sozialen Brennpunkt. Durch die "Operation sichere Zukunft" sei die Arbeit in der Einrichtung "amputiert" worden. Er bat den Ministerpräsidenten, diese Maßnahme noch einmal zu überdenken.
Bürgermeister Zick betonte, die Stadt sei mit ihrem finanziellen Engagement "bis an die Grenze" gegangen. Die Integrationsaufgabe im Stadtteil könne nur durch ein gemeinsames Engagement von Land, Kreis, Stadt und Kirche gelingen. Dekan Dr. Arnold wies darauf hin, dass die Kirche ihr Engagement in dieser Einrichtung trotz rückläufiger Einnahmen noch erhöht habe. "Hier geht es um die Schwächsten", so Arnold, "sie brauchen unsere Unterstützung".
Der Ministerpräsident machte keine Hoffnung auf eine neue finanzielle Unterstützung des Stadtteilladens. Er überreichte zwar eine Zusage über 2.500€ für ein Sonnensegel im Außenbereich des Stadtteilladens, betonte dabei aber, dies könne nicht als Kompensation für die Mittelkürzungen verstanden werden. Die Streichungen seien erforderlich gewesen, um den Landeshaushalt zu konsolidieren.
Ministerpräsident Koch überreicht den Zuwendungsbescheid an Uschi Hesse

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