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Kloster Germerode - bewahren und gestalten

Sa 17.12.2005
So lautet seit Freitag, dem 16. Dezember 2005, das Logo, das die Tagungsstätte Kloster Germerode nach außen im Land vertreten und bekannt machen soll.
Seit ihrer Gründung als eingetragener Verein im Jahre 1983 hat es sich die "Gesellschaft zur Erhaltung der Klosteranlage Germerode" zur Aufgabe gemacht, die historische Klosteranlage Germerode in ihrem Bestand zu bewahren und durch den Aufbau eines geistlichen und kulturellen Zentrums für die Region zukunftsfähig zu gestalten.
Darum erwarb sie schon 1983 von der Gemeinde Germerode das ehemalige Fachwerk-Domänenpächterhaus (Vogteigebäude) und sanierte es unter konservatorischen und funktionalen Gesichtspunkten grundlegend. Seit 1990 beherbergt dieses Gebäude eine Tagungs- und Bildungsstätte mit 23 Betten in 16 Zimmern. Sie wird überwiegend von Gruppen aus dem kirchlichen Umfeld genutzt und ist darüber hinaus Sitz einer landeskirchlichen Pfarrstelle für Meditation und geistliches Leben. Es finden Seminare, Zeiten der Einkehr und Stille, Meditationen, ökumenische Pilgerwege und andere geistliche und kulturelle Veranstaltungen darin statt. Die Tagungsstätte wird gern angenommen und ist seit ihrem Bestehen gut ausgebucht.
Seit November 2002 erarbeitete eine "Zukunftswerkstatt Kloster Germerode" mit anfangs 30 Teilnehmern unter fachlicher Betreuung durch die Beraterfirma imkontext aus Fulda eine Machbarkeitsstudie zur Weiterentwicklung der Klosteranlage. Diese wurde durch den "Verein für Regionalentwicklung Werra-Meißner e.V. "unterstützt und durch das Programm LEADER+ des "Amtes für den ländlichen Raum" finanziell großzügig gefördert. Das Leitmotiv war "Bildung - Klösterliches Leben - Kultur" …

Die Studie stellte fest:
Leider ist der eindrucksvolle Komplex des ehemaligen Prämonstratenserinnen- Klosters Germerode (gegr. Um 1144-45) heute nur noch in Teilen erhalten. Die Klosterkirche (jetzt ev. Pfarrkirche), entstanden um 1150-65 in der künstlerischen Nachfolge der Klosterkirche von Lippoldsberg, wird vom Refektorium neben dem nördlichen Westturm der Kirche und dem östlich angebauten Fachwerkgebäude (jetzt Tagungshaus) mit Tordurchfahrt flankiert. Weitere Bauteile aus der Klosterperiode sind nicht erhalten, die Gliederung der Klosteranlage ist anhand von Mauerfragmenten und der äußeren Topo- graphie nur zu erahnen.
Die vorhandenen ausdrucksstarken Gebäude und Fragmente sind nicht in der Lage, den ursprünglich geschlossenen Eindruck der ehemaligen Klosteranlage zu vermitteln. Wesentliche Bausteine des Doppelklosters (Kreuzgang, Brunnenhaus, Kapitelsaal etc.) fehlen gänzlich, die Gliederung und funktionale Zuordnung der Freiräume (Gärten, Höfe) des weitläufigen Geländes ist für den Besucher kaum nachvollziehbar. Die kontemplative Ausrichtung des einst hier ansässigen Ordens ist im vorgefundenen Kontext nicht mehr spürbar.

Ein Wirtschaftsgebäude der 1834 entstandenen Domäne ist im nordöstlichen Bereich des unteren Hofes erhalten. Der Profanbau wurde zwischen 1920-30 erbaut, mehrfach umgenutzt und steht heute fast leer. Die mindere Bausubstanz erfordert kurzfristig den Rückbau, denn innerhalb der Klosteranlage wirkt das zweigeschossige Gebäude durch Ausdruck und Kubatur befremdend.
Unter diesem abbruchreifen Haus liegt ein lang gestreckter denkmalgeschützter Gewölbekeller. Dieser müsste eigentlich saniert, in jedem Falle aber muss er geschützt und gesichert werden.
Angesichts dieser Vorgaben stellte sich für die Bewahrung und zukünftige Gestaltung der Klosteranlage Germerode folgende Aufgabe:

Die für heutige Verhältnisse bestehenden Mängel der Zimmer (Etagen-Duschen/WC) des Tagungsgebäudes wären nur mit aufwändigen Maßnahmen unter Reduzierung der Bettenzahl zu beheben und auf den heutigen Stand eines Gästehauses zu bringen. Ein Um- bzw. Anbau ist nicht ausführbar. Nachteilig für einen modernen Tagungsbetrieb ist auch die undifferenzierte Raumfolge des Dachgeschosses und die knappe Eingangssituation im Erdgeschoss.
Als Teil eines größeren Gesamtkomplexes könnte aber das bestehende Tagungshaus, so, wie es ist, auch zukünftig als eine Einheit zusammen mit einem nötigen Erweiterungsbau vielfältig weiter genutzt werden.
So entschied sich der Vorstand im Jahre 2003 zur Konkretisierung eines Bauvorhabens im unteren Klosterhof als bauliche Erweiterung der Tagungsstätte und für die Bereitstellung von Wohnraum für die mögliche Ansiedlung einer Kommunität. Nach dieser sorgfältigen Vorplanung beschloss die Mitgliederversammlung der Klostergesellschaft im März 2004 die Übernahme der Trägerschaft eines solchen Bauvorhabens.

Der Neubau soll die Bettenzahl der Tagungsstätte erhöhen, er soll ihren Raumbedarf für Empfang / Rezeption, Bewirtung, für Vorträge, Seminare und Arbeitsgruppen, für die Verwaltung, das Archiv wesentlich verbessern und zusätzlich Wohnraum - entweder für eine Kommunität oder aber für ein Betriebsleiterehepaar zur Verfügung stellen.
Das übergeordnete gestalterische Ziel bei der Planung dieses Neubaus sollte die Rückkehr zu einer baulich geschlossenen Anlage sein, die durch klare räumliche Gliederung verschiedene Nutzungsarten ermöglicht.
"Dabei soll die Vergangenheit nicht reproduziert werden, sondern mit modernen Mitteln und Ausdrucksformen unter ökologischen und auch wirtschaftlichen Gesichtspunkten ein nachhaltiges Gesamtkonzept entstehen."

Aus diesen Vorgaben der Machbarkeitsstudie und der Zukunftswerkstatt ergab sich für den Vorstand der Klostergesellschaft folgerichtig die Durchführung eines Architektenwett- bewerbs.

Er wurde im Juli 2004 ausgeschrieben, "um einen hochwertigen Neubau zu erhalten, der den ‚genius loci’ bewahrt und die Klosteranlage zukunftsfähig gestaltet.

Dieses Projekt, wieder durch das Programm LEADER+ vom Amt für den ländlichen Raum gefördert, konnte im November 2004 mit der Preisvergabe und einer öffentlichen Vorstellung abgeschlossen werden. Als preisgekrönter Sieger ging aus diesem Wettbewerb hervor das Architekturbüro Prof.Dipl.Ing. Penkhues, Kassel.

Parallel zu diesem Projekt hat seit Mai 2004 der "Heimat- und Verkehrsverein Germerode" in enger Zusammenarbeit mit der Klostergesellschaft den Aufbau des Klostergartens im hinteren Klosterbereich betrieben. Auch dieses Projekt wurde durch LEADER+ gefördert.

Inzwischen wurden im Laufe des Jahres 2005 umfängliche Vorarbeiten für die Planungsphasen I-IV geleistet. Im Zuge der Erstellung eines Bestandsplanes und einer Teilungsvermessung des gesamten Klostergeländes wurde auch der denkmalgeschützte Gewölbekeller vermessungstechnisch erfasst. Diese Maßnahmen wurden von der Oberen Denkmalbehörde finanziell gefördert.
Die Planungskosten in Höhe von 125.000 Euro werden wiederum über LEADER + gefördert:
Vom Land Hessen wurden 16.174,-- Euro, von der Europäischen Union ebenso 16.174,-- Euro bewilligt.
Zur Aufbringung der nicht unerheblichen Mittel für die Ausführung des ersten Bauabschnitts beschäftigt sich der Vorstand inzwischen mit einem Fund-raising-Projekt. Dazu wurde eine sog. Unic Selling Proposition, ein werbewirksames Motto entwickelt. Es lautet:
Kloster Germerode
Kraftquelle
für Dich und mich.
Diesen heilsamen Ort wollen wir
im Miteinander von
Tradition und Moderne
bewahren und gestalten.

Im Vordergrund aller Aktivitäten steht die inhaltliche geistliche Arbeit. Darin sind sich alle das "Klosterleben"mitgestaltenden Akteure einig. Darum laden die Klostergesellschaft, die Kirchen-gemeinde, die Communitaet Koinonia und die Pfarrstelle für Meditation und geistliches Leben für 2006 zu fünf Klostertagen ein. Sie finden jeweils am Sonntagnachmittag, und zwar
am 22. Januar, 26. März, 21. Mai, 24. September und 12. November statt.

Außerdem soll am 18. Juni 2006 ein großes Klosterfest in Germerode gefeiert werden.
Das Bauschild zeigt, wie die Klosteranlage einmal aussehen sollBürgermeister Junghans, Vorsitzender Ludwig und dessen Stellvertreter Dr. Arnold unterzeichnen den Grundstückskaufvertrag. Im Hintergrund Notar Dr. Momberg.

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