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Oberstufengymnasium Eschwege feiert Gottesdienst zum Abitur

Sa 26.06.2004 14:50
"Sind die jungen Erwachsenen heutzutage religiöser, gar frömmer als vor zwanzig oder dreißig Jahren?", fragte sich Pfarrer Stephan Bretschneider angesichts der voll besetzten Auferstehungskirche auf dem Eschweger Heuberg. 1976, als er selbst Abitur machte, gab es weder eine feierliche Zeugnisübergabe noch einen Abi-Ball, man trug weder Schlips noch Kragen und an einen Gottesdienst anlässlich des Abiturs war schon gar nicht zu denken.

Die Zeiten haben sich geändert: ein Team von Abiturientinnen und Abiturienten um Oberstudienrat Alfred Wirkner bereitete in sehr engagierter Art und Weise einen Gottesdienst für den Tag der Verleihung der Reifezeugnisse vor und setzte damit eine vor zwei Jahren begründete Tradition des Oberstufengymnasiums fort.

"Abschied und Aufbruch", so lautete das Motto vor zwei Jahren, vor einem Jahr "Vertraut den neuen Wegen!" und diesmal: "Lass es sprühen!" So wie eine Kerze, wenn sie im Karton bleibt und nicht angezündet wird, kein Licht versprühen und keine Wärme verbreiten kann, so ist es mit den Menschen, die für sich bleiben wollen, ihr Licht unter den Scheffel stellen und ihre Fähigkeiten und Talente nicht für andere einsetzen: sie sind nutzlos und unbrauchbar. Lasst euer Licht leuchten, versprüht eure Energie, bleibt mit dem, was ihr erreicht habt, nicht allein! Dazu riefen Julia Karges, Anke Heckmann und Markus Kilisch ihre Mitabiturientinnen und -abiturienten auf. Als sichtbares Erinnerungszeichen und "eiserne Ration" für dunkle Tage bekamen alle Schulabgänger ihr persönliches "Notfallset" ausgehändigt, bestehend aus einem Foto des Abiturjahrgangs 2004 und vier Wunderkerzen. Also: Lasst es sprühen!

Ob die jungen Erwachsenen tatsächlich religiöser sind als früher, wisse er nicht, sagte Pfarrer Stephan Bretschneider in seiner Predigt. Sein Eindruck sei, dass Religion und Frömmigkeit in unserer Gesellschaft doch eher ein Nischendasein fristen. Und eine zweite Beobachtung: Wenn es um die Alternative Freiheit oder Sicherheit gehe, so gebe unsere Gesellschaft heute ganz klar der Sicherheit den Vorzug: "Alles muss gesichert sein, alles amtlich beglaubigt, zertifiziert, politisch korrekt." Religion dagegen solle so etwas wie das Salz in der Suppe sein. Religion solle "Räume und Perspektiven öffnen, Neues wagen und zur Freiheit führen anstatt Sicherheit und Selbstzufriedenheit zu predigen". Und so rief Bretschneider die Abiturienten auf: "Seid religiös, seid glaubend, seid fromm!" Der religiöse Impuls müsse allerdings ein Impuls zur Freiheit sein, nicht zur Sicherheit, denn: wer seine Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen, wird beides verlieren. Und zum Schluss: "Wenn ihr nach Maßstäben für euer Leben sucht, dann macht euch immer wieder die Mühe und schaut in die Bibel hinein. Sie ist ein unglaublich ergiebiger Schatz an Leben und an Freiheit."

Und sonst? "Gospelcross", der Eschweger Gospelchor unter der Leitung von Thorsten Exner, lud mit mitreißenden Songs zum Füßewippen und Mitklatschen ein. Ann-Kathrin Rabe, Absolventin des Jahrgangs 2004, sang zwei Sololieder, begleitet von Friedemann Bretschneider auf der Orgel. Pfarrer, Abiturienten, Lehrer und Eltern dankten gemeinsam für die zurückliegende Zeit und beteten um Gottes Gegenwart für die kommenden Zeiten.
Die Auferstehungskirche in Eschwege war voll besetztAm Fürbittengebet wirkten auch Lehrer, Schüler und Eltern mitPfarrer Stephan Bretschneider bei der PredigtBlick in den geschmückten Altarraum

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