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Brief an die Gemeinde zum Sonntag Palmarum von Rosemarie Kremmer

Mo 06.04.2020 12:47
Brief an die Gemeinde zum Sonntag Palmarum, den 5. April 2020

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes
und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen! (2.Korinther 13,13)

Liebe Schwestern und Brüder,
eben hat Jesus noch einen Blinden sehend gemacht, da muss er weiter nach Jerusalem. Die dann folgende Geschichte hat dem Sonntag Palmarum seinen Namen gegeben (Markus 11ff): Jesus zieht auf einem Esel in Jerusalem ein. Die Menschen begrüßen ihn freudig, breiten ihre Kleider und Palmzweige vor ihm aus und rufen "Hosianna! Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn!" Der Retter und Erlöser, der dort noch sehnlicher erwartet wird als der rettende Impfstoff in unseren Tagen, kommt auf einem Lasttier, dessen Last nicht ER ist, sondern UNSERE Not.
Aber vor der Rettung bringt er noch Entzweiung. Er reinigt den Tempel (Mk 11,15), der zur Räuberhöhle verkommen war (wie auch wir in diesen Tagen kirchliches Handeln neu hinterfragen und aufräumen).
Er ruft zur Vergebung und erzählt ein Gleichnis von bösen Weingärtnern (Mk 12,1ff), die den Sohn des Weinberg-Besitzers töten (wie auch wir achtsam bleiben müssen gegenüber Böcken, die sich zum Gärtner machen, indem sie z.B. falsche Meldungen, Angst oder unangebrachte Gelassenheit verbreiten und damit Leben gefährden).
Er spricht über Steuern (Mk 12,13ff), die dem Kaiser zu geben sind, weil sie des Kaisers sind (wie auch bei uns in diesen Tagen viel über das Ausbleiben und das Verwenden von Geldern gerungen wird).
Er spricht von dem, was im Angesicht von Tod und in der Kraft der Auferstehung an Irdischem hinter uns bleiben wird (wie auch wir in diesen Tagen Werte neu bedenken). Und er sagt an, was in all dem das Wichtigste ist, das höchste Gebot: "Du sollst Gott lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Verstand und von allen deinen Kräften und du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst" (MK 12,30f). Wer das tut, lebt Reich Gottes schon auf Erden. Und über das Ende der Welt sagt er, dass es noch nicht da sei, dass aber selig der Mensch sei, der auf seine Wiederkehr wartet (Mk 13).

Jesus erreicht Jerusalem, das für ihn zum Ort der Angst wird, des Verrats, des Gerichts und dann des Unrechts. Ein Ort, an dem die Gelehrten streiten - und die Erkenntnis seiner Person verfehlen. Ein Ort, an dem es Menschen gibt, die ihn hassen, die ihn lieben, oder denen er egal ist. Und trotzdem kommt er für alle da hin. Und dann gibt es für ihn nur noch einen Weg seines Erdenlebens aus der Stadt heraus; der führt ihn ans Kreuz.
Zuvor aber wird er gesalbt,
so erzählt es der Predigttext zum Palmsonntag aus Markus 14,3ff:
3 Und als Jesus im Hause Simons des Aussätzigen zu Tisch saß, da kam eine Frau, die hatte ein Glas mit unverfälschtem und kostbarem Nardenöl, und sie zerbrach das Glas und goss es auf sein Haupt.
4 Da wurden einige unwillig und sprachen untereinander: Was soll diese Vergeudung des Salböls? 5 Man hätte dieses Öl für mehr als dreihundert Silbergroschen verkaufen können und das Geld den Armen geben. Und sie fuhren sie an.
6 Jesus aber sprach: Lasst sie in Frieden! Was betrübt ihr sie? Sie hat ein gutes Werk an mir getan. (…) 9 Wahrlich, ich sage euch: Wo das Evangelium gepredigt wird in aller Welt, da wird man auch das sagen zu ihrem Gedächtnis, was sie jetzt getan hat.

In der Salbung geschieht Segen. Segen ist die Weitergabe von heiligender Kraft und von Leben. Auch wir dürfen (besonders in herausfordernden Zeiten wie der jetztigen) einander in seinem Namen segnen - sei es nun mit physischen Kontakt in der Hausgemeinschaft, sei es im Geiste.

Über den Segen heißt es in EG 352:

1. Alles ist an Gottes Segen und an seiner Gnad gelegen über alles Geld und Gut.
Wer auf Gott sein Hoffnung setzet, der behält ganz unverletzet einen freien Heldenmut.
2. Der mich bisher hat ernähret und mir manches Glück bescheret, ist und bleibet ewig mein.
Der mich wunderbar geführet und noch leitet und regieret, wird forthin mein Helfer sein.
3. Sollt ich mich bemühn um Sachen, die nur Sorg und Unruh machen
und ganz unbeständig sind?
Nein, ich will nach Gütern ringen, die mir wahre Ruhe bringen,
die man in der Welt nicht find’t.
4. Hoffnung kann das Herz erquicken; was ich wünsche, wird sich schicken,
wenn es meinem Gott gefällt.
Meine Seele, Leib und Leben hab ich seiner Gnad ergeben und ihm alles heimgestellt.

Vielleicht probieren wir es einfach einmal aus! Geben Sie den Segen im Geiste weiter an die Menschen, die sie lieben und an die Sie in diesen Tagen besonders denken, vielleicht mit gefalteten Händen, im Licht einer Kerze. Ich denke an Sie und spreche:
Der Herr behüte Dich.
Er gebe Dir Kraft in Deinem ganzen Werk und Leben.
Hoffnung grüne in Dir zum starken Palmzweig auf schweren Wegen.
Er leite Dein Tun und Lassen, Deine Gedanken und Deine Worte.
Er trage Deine Last mit Dir und er mehre Deine Freude.
Gott segne Deinen Ausgang und Eingang
von nun an bis in Ewigkeit. Amen

Ihre / Eure

Pfarrerin Rosemarie Kremmer
Rosemarie Kremmer

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