Aktuelles aus den Gemeinden

Gedanken zum Sonntag Okuli, 15 März

So 15.03.2020 09:49
Es ist schon verrückt: Plötzlich sind alle gottesdienstlichen Veranstaltungen ab dem heutigen Sonntag bis auf weiteres abgesagt. Ja, die Kirchenglocken werden nachher läuten und bestimmt wird der Eine oder die Andere den Weg in die Kirche finden, wo dann doch ein Gebet stattfindet.
Bei uns in der Stadtkirchengemeinde wird es jedenfalls so sein. Wir werden diesmal nicht dazu auffordern, zusammenzurücken, sondern Abstand zu halten. Wir werden ein Lied singen, mit Begleitung am Flügel, einen Psalm miteinander sprechen, einem Gedankenimpuls folgen und beten.
"Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind," sagt Jesus, "da bin ich mitten unter ihnen."
Das alles ist eine ganz neue Situation, in die wir uns gerade hineintasten.

Im Predigttext für den heutigen Sonntag steht im Lukas-Evangelium Kapitel 9, die Verse 57-62. Jesus ist mit anderen auf dem Weg.
Dreimal antwortet er auf eine Frage:

1. "Wir wollen dir nachfolgen, aber wohin?"
Jesus hatte keine feste Wohnung, kein Haus, wo er nach einem arbeitsreichen Tag sich ausruhen konnte. Die Unsicherheit gehört von Anfang an zum Leben Jesu dazu. Das fing schon bei seiner Geburt an, als kein Raum in der Herberg war. Mit Jesus unterwegs zu sein, bedeutet deshalb auch heute: Auf Sicherheiten verzichten, immer wieder aufbrechen, unterwegs sein und Gott auf diesem Weg vertrauen.
Wir wissen nicht, wohin uns die nächsten Wochen und Monate führen werden.
Für viele Menschen beginnt nun eine Zeit der Unsicherheit: finanziell und existenziell.
Aber wir vertrauen Gott und gehen den Weg mit: "Der Wolken, Luft und Winden, gibt Wege, Lauf und Bahn; Der wird auch Wege finden, da dein Fuß gehen kann."

2. "Wir wollen dir nachfolgen, aber wann?"
Jesus antwortet: "Sofort! Lass die Toten ihre Toten begraben; du aber geh hin und verkündige das Reich Gottes!"
Gott ist hier und heute. Hier und heute baut er sein Reich. Diese Botschaft zu verkündigen ist unser Auftrag, unabhängig von äußeren Bedingungen und Situationen. Das neue Leben wird heute gelebt, es fängt nicht irgendwann später an und kann auch nicht auf den Tag verschoben werden, bis die Behörden das Versammlungsverbot aufheben und wir wieder zu Gottesdiensten einladen können.
Als Kirche gehen wir jetzt nicht in den Winterschlaf, auch nicht in die Ferien. Das Reich Gottes soll hier und heute verkündet werden.

3. "Nachfolge ja, aber wie?"
Wer seine Hand an den Pflug legt und den Blick nicht nach vorne, sondern zurückwendet, ist nicht geschickt für das Reich Gottes, sagt Jesus. Das alte Leben ist kein Maßstab für das neue. Wir können aus dem Alten keine Schlüsse für das neue Leben ziehen.
Mich ermutigt dieses Wort, jetzt wirklich nach vorne zu blicken und neue Furchen zu ziehen, auch in der Kirche, in unserer Gemeinde.
Wenn wir nicht zu gottesdienstlichen Veranstaltungen einladen können, heißt das ja noch lange nicht, dass wir nicht singen und beten können.
Wir können neue, kleine Formen finden, um auf Gottes Wort zu hören, uns auszutauschen und zu ermutigen. Vielleicht haben Sie eine Idee, wie wir unsere Kirchen dafür nutzen können? Dann schreiben Sie mir!

Wie wird das mit den Konfirmationen, haben mich jetzt schon Eltern gefragt?
Sollen wir sie wirklich auf den Spätsommer oder Herbst verschieben?
Ich könnte mir auch vorstellen, unsere Konfirmanden in Zweier- oder Dreigruppen im kleinen Kreis in der Kirche, zu konfirmieren. Das könnte sehr persönlich und auch feierlich sein. Natürlich ist es dann nicht die Konfirmation in der Gruppe, aber die Konfirmation wäre dann wirklich der Abschluss der Konfirmandenzeit.
Auch für den Konfirmandenunterricht können wir uns neue Formen überlegen.

Der Predigttext ermutigt und inspiriert mich, weiterzudenken.
Die neue Situation bedeutet ja auch erst einmal Freiraum. Und in diesem Freiraum kann Kreativität entstehen.

Vielleicht haben auch Sie eine Idee, wie wir Jesus jetzt - unter den neuen Bedingungen - nachfolgen und das Reich Gottes verkünden können? Dann schreiben Sie mir!

Ich freue mich darauf.
Eine gute und behütete Woche
wünscht Ihnen

Sieglinde Repp-Jost

Pfarrerin
Evangelische Stadtkirchengemeinde Eschwege
Bei der Marktkirche 5
37269 Eschwege
Pfarramt1.eschwege-stadtkirche@ekkw.de

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