Aktuelles aus den Gemeinden

Scherbenhaufen und NSDAP-Pranger

Mo 12.11.2018 14:02
Stadtkirchengemeinde Eschwege gedenkt im Gottesdienst der Pogrome vor 80 Jahren
Mit einem großen Scherbenhaufen mitten in der Kirche erinnerte sich die Stadtkirchengemeinde an die Zerstörung der Synagoge, die Verwüstung von jüdischen Geschäften und Wohnungen sowie an die Demütigung und Misshandlung von jüdischen Mitbürgern. "Antisemitismus und Judenfeindschaft sind keineswegs überwunden", sagte Dekan Dr. Martin Arnold. Pfarrerin Sieglinde Repp-Jost rief in ihrer Predigt dazu auf, wachsam und nüchtern zu sein gegen jede Form von Verschwörungstheorien, Menschenverachtung und Intoleranz.

Pauline Haase und Luca Siepmann verlasen Berichte von Zeitzeugen der Ereignisse des Jahres 1938. Dekan Dr. Arnold erinnerte daran, dass auch Kirchenmitglieder an den Pogromen teilgenommen haben. Und der damalige Kreispfarrer Hermann Wepler habe sich lediglich darüber beschwert, dass im Zusammenhang mit den Pogromen andernorts auch Pfarrer zu Schaden gekommen seien. Spiegel inmitten des Scherbenhaufens ließen die Gottesdienstbesucher fragen: Wie hätte ich mich wohl damals verhalten?

Erstmals gezeigt wurde auch ein "NSDAP Pranger", der im Magazin des Stadtarchivs aufbewahrt wird. "Damit wurden Menschen angeprangert, die von der Linie der Partei abwichen", erläuterte York-Egbert König vom Stadtarchiv. Pfarrerin Repp-Jost warnte davor, Menschen zu "Sündenböcken" zu machen.

Mit Kerzen, Gebeten und biblischen Lesungen wurde an die Treue Gottes zu seinem Volk Israel erinnert. Der Gottesdienst war Teil der Eschweger Gedenkwoche "Gegen das Vergessen" - 80 Jahre Reichspogromnacht in Eschwege.

» zurück