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Gedenktafel wurde angebracht

Mi 05.09.2012 14:56
An dem Haus An den Anlagen 14a wurde eine Gedenktafel angebracht, die an die besondere Geschichte dieses Hauses, in dem heute das Kirchenkreisamt für die Kirchenkreise Eschwege und Witzenhausen (ehemals Kirchliches Rentamt) sowie die Evangelische Familien-bildungsstätte ihren Sitz haben, erinnern soll. Pfr. i.R. Heinrich Mihr war vor einiger Zeit auf die lange Zeit vergessene Geschichte dieses Hauses gestoßen, das 1889 von Sanitätsrat Dr. Moritz Stern als Fachwerkbau im Gründerzeitstil erbaut wurde. Bis zum Jahr 1911 betrieb der Erbauer in diesem Haus, in dem er mit seiner Familie auch wohnte, eine Arztpraxis, die im selben Jahr sein Sohn Dr. Carl Stern übernahm.
Im März 1933 gab Dr. Carl Stern die Praxis auf. Auf Grund von Anfeindungen Eschweger Nationalsozialisten gegen jüdische Mitbürger waren für ihn ein geregelter Praxisbetrieb sowie ein normales Familienleben nicht mehr möglich. Zusammen mit seiner Familie verzog er nach Hamburg. Falsche Anschuldigungen aus Eschwege veranlassten ihn dort im Februar 1935 zum Freitod.
Im September 1937, also genau vor 75 Jahren, kaufte der Gesamtverband der Evangelischen Kirchengemeinden in Eschwege dieses Haus von den Nachfahren des Dr. Moritz Stern zu einem Preis von 30.000 Reichsmark. Dieser Kauf geschah im Zuge der vom Nationalsozialismus begünstigten Übernahme jüdischen Eigentums durch nicht-jüdische Personen oder Einrichtungen.
Unter der Federführung des bisherigen Vorsitzenden des Eschweger Gesamtverbandes, Pfr. Stephan Bretschneider, wurde nun in Zusammenarbeit mit dem Stadtarchiv Eschwege die Gedenktafel entworfen und heute schließlich angebracht. Bei der Anbringung anwesend waren neben den bereits Genannten auch Irma Bender (Leiterin der Ev. Familienbildungsstätte), Andreas Koch (Leiter des Kirchenkreisamtes), Dekan Dr. Arnold sowie Pfr. Christoph Dühr, der zum 1.9. den Vorsitz im Gesamtverband Eschwege übernommen hat.

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