Aktuelles aus der Familienbildungsstätte

Nach 20 Jahren: Ende des Eschweger Frauen-Cafés

Di 12.06.2018 21:20
40 x Frauen-Café - Dank zum Abschied an das TeamBegrüßung durch das Team (2015)Begrüßung durch das Team (2013)Vortrag (2005)Angeregte Gespräche (2005)



Das 20jährige Jubiläum wurde im Februar 2018 noch im großen Rahmen gefeiert, doch jetzt ist Schluss: Das Frauen-Café wird in Eschwege nicht länger durchgeführt! Dies stößt bei vielen der rund 100 teilnehmenden Frauen auf großes Unverständnis, da der Zulauf immer sehr groß war und die Frauen jedes Mal von den Vorträgen und dem Austausch begeistert nach Hause gingen. Irma Bender, Mitgründerin des Frauen-Cafés und Leiterin der Ev. Familienbildungsstätte bittet um Verständnis und erklärt, dass sich die Gegebenheiten in den letzten Jahren stark verändert haben. "Wir wollten damals mit den Frauen der Eschweger Vereine und Institutionen gemeinsam etwas bewirken und an einem Strang ziehen um frauenrelevante Themen zu etablieren und für alle zugänglich zu machen." Dass diese Idee auf fruchtbaren Boden stieß, zeigte sich in der guten Zusammenarbeit von Vereinen wie der Eschweger Tafel, dem Hausfrauenverband, dem Verein Frauen für Frauen und dem Verein Aufwind. Andere Institutionen wie der Stadtteilladen waren einige Jahre involviert, mussten aber schon früher aus zeitlichem Mangel einen Rückzieher machen. Besonders schön war für alle die Zusammenarbeit im Organisationsteam, denn dort wurde ein großer Zusammenhalt und Freude, gemeinsam etwas zu bewegen, wahrgenommen.
Teamerinnen im Gespräch (2011)Vorbereitung in der Küche (2009)Angeregte Gespräche (2009)Auch Kleine waren dabei (2003)Immer am Ende: Beiträge der Teilnehmenden werden verlesen (2003Immer am Ende: Betrachtung zum Thema aus biblischer Sicht und SegenLiebevoll gedeckte Tische (2009)
Neben der Ev. Familienbildungsstätte war auch der damalige Pfarrer Heinrich Mihr der Neustädter Gemeinde, später Stadtkirchengemeinde, mit seiner Frau Annemarie inhaltlich und organisatorisch sehr engagiert. Auch viele Jahre nach seinem Dienstende unterstützte Pfarrer Mihr tatkräftig das Café im Neustädter Gemeindehaus. "Zu Spitzenzeiten haben wir fast 140 Frauen ein Frühstück angeboten. Sie können sich sicherlich vorstellen, wie voll es im Gemeindehaus war und welche Organisationsarbeit vonnöten war. Zusätzlich waren die Teilnehmerinnen damals noch jünger, so dass wir im Keller noch eine Kinderbetreuung durch jugendliche Mitarbeitende im Kindergottesdienst angeboten haben", so Annemarie Mihr. "Wir konnten den Frauen immer selbstgekochte Marmelade anbieten und die Eier wurden uns über all die Jahre vom Biolandhof Sandrock gespendet."
Zum Abschluss jedes Frauen-Cafés trug Annemarie Mihr ihre Gedanken zum jeweiligen Thema aus biblischer Sicht vor und schloss den Vormittag mit Segensworten ab. Diesen Teil hatte bei den letzten beiden Frauen-Cafés Pfarrerin Dorlies Schulze übernommen.
Die Themen aller Vorträge waren sehr breit gefächert, hatten aber immer einen Bezug zum Alltag der Teilnehmerinnen. So gab es den Vortrag "Von Müttern und Schwiegermüttern", "Die beste Freundin" und "Reisen mit leichtem Gepäck". Auch die Gleichstellungsbeauftragte Thekla Rothermund-Capar hielt mehrere Vorträge, mit den spannenden Titeln "Vom Trotzkopf zum Superweib", "Liebe, Treue und Verrat", "Frauen früher - Frauen heute" und "Zimtzicken und Gewitterhexen". Auch Annemarie Mihr hielt selbst einige Vorträge, zum Beispiel zur "Kunst des Ja- oder Nein-sagens" oder "Gutes Leben leben". Ganz besonders ist auch noch der Vortrag von Landrat Stefan Reuß in Erinnerung, der einen sehr persönlichen Einblick in seine Kindheit in unserem ländlichen Raum gab.
Aber warum wird das Frauen-Café nicht mehr stattfinden, wenn doch alle so begeistert sind? Die "Gründungsriege" hat nach 20 Jahren keine Energie mehr und wollte diese Aufgabe gerne an Jüngere abgeben. Schwieriger wurde es auch, nachdem es in der Kirchengemeinde keinen hauptamtlichen Küster mehr gab, denn dessen Einsatz war über viele Jahre sehr hilfreich. Natürlich hat das Team Nachfolgerinnen gesucht und auch gefunden, aber der zeitlich große Aufwand kann nur von vielen Frauen aus möglichst vielen verschiedenen Bereichen gestemmt werden. "Obwohl sich Freiwillige für die tatsächliche Durchführung des Cafés gefunden haben, also bereit waren Kaffee zu kochen, zu spülen und die Frauen zu bewirten, konnten wir die ganze Organisation nicht mehr stemmen", so Lisa Eyser, die die Aufgaben der Familienbildungsstätte übernommen hatte. "Denn im Vorfeld solch großer Veranstaltungen muss jedes Mal sehr viel geregelt und organisiert werden. Sei es die Suche und Vorbesprechung mit Referenten, die Organisation des Gemeindehauses und vieles mehr. Und soziale Einrichtungen wie die FBS arbeiten heutzutage so projektbezogen, dass zusätzliche Veranstaltung in diesem Umfang kaum aufgefangen werden können, da dies auf Kosten unserer Arbeit gehen würde. Aber vor allem konnten wir keine neuen Vereine oder Institutionen für das Frauen-Café gewinnen. Sollte sich aber eine Gruppe von Frauen finden, die verlässlich in der Organisation arbeiten würde, wären wir natürlich mit an Bord" Kinderbetreuung 2003Kinderbetreuung (2003)Viel Vorbereitung ist nötigDie Vereine im Kreis haben mit Nachwuchsmangel zu kämpfen, so hat sich beispielsweise der Hausfrauenverband in Eschwege aufgelöst und ist damit auch als Kooperationspartner verloren gegangen. Die Organisatorinnen haben sich lange darum bemüht, jüngere Frauen zur Mitarbeit in der Organisation zu gewinnen, da der Altersdurchschnitt sehr hoch war. "Wie in vielen anderen Bereichen unserer Arbeit hat sich auch hier gezeigt, dass die Frauen durch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zeitlich so stark eingeschränkt sind, dass sie keine zusätzlichen Termine wahrnehmen können und sich einfach freuen, wenn sie sich am Wochenende um ihre Kinder kümmern können." Mit einem weinenden Auge verabschiedet sich das Team von diesem tollen Projekt, bewahrt die vielen schönen Eindrücke im Herzen und bedankt sich bei den ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und allen Teilnehmerinnen.Die Überschrift: Journalistische Meisterleistung der Heimatzeitung (so war es nämlich nicht) - 200340 spannende Themen in 20 Jahren

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