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Ev. Kirchengemeinde Friemen


Pfarramt:
37284 Waldkappel-Schemmern, Donauweg 2
E-Mail: pfarramt.schemmern-maeckelsdorf@ekkw.de
(Lilienstr. 9)
Wer die alte Dorfkirche in Friemen zum ersten Mal sieht, wundert sich vielleicht über die ungewöhnlichen Proportionen. Sie entspricht nicht unbedingt dem, was man sich unter einer Kirche vorstellt: Der Turm ist viel zu wuchtig im Verhältnis zum Kirchenschiff, die Mauern der Kirche haben eine Stärke, wie man sie von mittelalterlichen Burgen kennt, und wo sind eigentlich die Fenster?

Des Rätsels Lösung: Die Kirche in Friemen war ursprünglich eine mittelalterliche Wehrkirche. D.h.: In Friedenszeiten diente sie der Gemeinde als Versammlungsort für den Gottesdienst und in Kriegszeiten und bei Überfällen als Zufluchtsort. Aufgrund dieser Doppelfunktion waren auch die Fenster ursprünglich nicht größer als Schießscharten. Je kleiner die Fenster, desto leichter waren sie im Angriffsfall zu verteidigen. Um 1830 sollen, alten Chroniken zufolge, noch Reste des alten Wallgrabens zu sehen gewesen sein.

1830 war die Kirche selbst aber längst schon keine reine Wehrkirche mehr: Neue große Fenster waren nachträglich im Kirchenschiff eingebaut worden, und die im Turm bereits vorhandenen spärlichen Lichtöffnungen hatte man erweitert. Bei diesem letzten größeren Umbau erhielt das Kirchlein auch seinen Fachwerkturm. Das war im Jahr 1718.

Erstmalig erwähnt wird ‚Vriemannes’, wie Friemen im 14. Jahrhundert hieß, in einer Urkunde des Jahres 1317. Prägend für die Geschichte des Dorfes war der bis heute bestehende Gutshof. Die adeligen Besitzer des Rittergutes Friemen, Heimbrot von Hundelshausen und dessen Ehefrau Catharina, waren es, die die Kirche erbauen ließen. Eine gotische Bauinschrift an der Nordwand hält das Jahr der Erbauung des Kirchenschiffes fest: 1498. Die 4 ist dabei, wie damals üblich, als halbe 8 geschrieben. Möglicherweise sollen die beiden Ziffern im Spitzbogen der Eingangstür ebenfalls auf dieses Jahr ‚98’ hinweisen.

Die adeligen Herren sorgten auch für die Ausschmückung der Kirche: Die spätgotische Sakramentsnische dient noch heute zur Aufbewahrung des Abendmahlsgeräts. Über dem schlichten Altar wölbt sich ein gotisches Kreuzrippengewölbe mit einem Christuskopf vor einem Lebensbaumkreuz: An den Enden des Kreuzes sprossen grüne Blätter hervor: Das Kreuz als Zeichen des Todes wandelt sich durch die Auferstehung in ein Symbol des Lebens.
Hinter dem Altar befindet sich die Kanzel vom Ende des 17. Jahrhunderts. Ihr steinerner Fuß trägt die Jahreszahl 1619.

Als zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine Innenrestaurierung durchgeführt wurde, kam unter vielen Zentimetern Kalkputz jenes Grabrelief zum Vorschein, das heute beim Betreten der Kirche als erstes ins Auge fällt: Die Familie des 1562 verstorbenen Hermann von Hundelshausen unter dem Kreuz Christi. Links knien die bereits verstorbenen Familienmitglieder, rechts, allesamt Frauen, die 1592 noch lebenden.

Draußen vor der Kirche, von der Straße aus nicht sichtbar, steht ein Steinkreuz zur Erinnerung an den kurhessischen Oberstleutnant Johann Wilhelm Conrad Mensing, der 1806 den kurhessischen Staatsschatz im Forsthaus Stölzingen (bei Stolzhausen) vor dem Zugriff Napoleons in Sicherheit gebracht hatte. Mensing erwarb 1816 das Gut in Friemen und verstarb dort 1837.

Sie möchten die Friemer Kirche besuchen?
Herzlich gern!
Den Schlüssel bekommen Sie bei Familie Werkmeister, Lilienstraße 4. Das Haus finden Sie auf der gegenüberliegenden Straßenseite vor der Brücke.

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