So wechselvoll wie Altenburschlas Geschichte, so wechselvoll ist auch die Geschichte der Kirche. Die in Stein gemeißelte Jahreszahl 1762 über den Toren nennt nicht ihr Erbauungsjahr, denn an einem Eckstein im Turm erkennt man die Jahreszahl 1564. Aber auch daraus lässt sich ihr wirkliches Alter nicht ablesen. In diesem Jahr wurde lediglich der Turm an das schon bestehende Kirchenschiff angebaut.
So bleibt trotz intensiver Nachforschungen ungeklärt, wann genau der Grundstein für dieses Gotteshaus gelegt wurde. Die heutigen Gebäudeteile sind vermutlich nicht viel vor der Reformationszeit entstanden, aber Historiker nehmen an, dass bereits vor 1530 ein fester Kirchenbau vorhanden war (vielleicht von 1362). So wird in den Fuldaer Jahresberichten von 1008 der Brand einer Jakobuskirche "Burschla" vermeldet Einige Historiker halten es für möglich, dass dies die Kirche von Altenburschla war.
Zu der Zeit gehörte Altenburschla, wie viele andere Ortschaften auch, zum Benediktinerkloster Großburschla, dem späteren Kollegialstift, das dem Abt in Fulda unterstand, und wurde von dort auch kirchlich betreut. Das änderte sich erst mit der Ausbreitung der Reformation Martin Luthers.
Als Landgraf Philipp der Großmütige von Hessen dem neuen Glauben beigetreten war, nahm er 1527 die Klostergüter in seinen Besitz. In Großburschla gelang ihm dies nur teilweise. Aber er setzte durch, dass 1530 der erste evangelische Pfarrer in Großburschla, zuständig auch für Altenburschla und Heldra, eingesetzt wurde. So predigte der Pfarrer Johann Hosbach 1530 zum ersten Mal in der Kirche von Altenburschla in deutscher Sprache. Da dieser bis 1572 amtierte, wird er auch dafür gesorgt haben, dass 1564 der Kirchturm als Chorturm an das Kirchenschiff angebaut wurde. Es ist wohl der älteste steinerne Chorturm Hessens!
Der 30jährige Krieg von 1618 bis 1648 richtete auch im Werratal schlimme Verwüstungen an. Zwischen 1623 und 1627 zogen immer wieder kaiserliche Truppen des Feldherrn Tilly und die gegnerischen Truppen Wallensteins durch das Werratal. Dabei kam es immer wieder zu Zwangsabgaben, Plünderungen und Verwüstungen. Am schlimmsten war es 1637 als Eschwege, Sontra, Waldkappel und Wanfried brannten und Völkershausen von den Kroaten geplündert wurde.
Die Kirche von Altenburschla wurde ebenfalls geplündert, die Einrichtungen verbrannten, die Innenräume waren verwüstet, das Dach schwer beschädigt. Nur notdürftig konnte die Kirche hergerichtet werden. Die Menschen hatten nicht die Kraft und die Mittel, das Gotteshaus gründlich zu renovieren.
1681 wurde Altenburschla selbstständige Pfarrstelle, der Heldra angegliedert war. Henricius Wetzel wurde Pfarrer, insgesamt gab es inzwischen 27 Pfarrer hier.
1752-1774 gab es die lange überfällige große Renovierung. Da wurden auch dem Turm die beiden Fachwerkgeschosse aufgesetzt. Das dritte, verschieferte Geschoss des Turms stammt von 1825.
Die Orgel stammt vermutlich von Johann Wilhelm Schmerbach dem Älteren aus Frieda. Sie wurde 1763 von Johann Heinrich Hose und seiner Frau Catharina gestiftet.
Das Steinbecken, das als Fuß für die Kanzel dient, könnte ein alter Taufstein gewesen sein.
Die Emporenbemalungen, die bei Renovierungsarbeiten 1969 entdeckt wurden gelten als Rarität.
Die Kirche verfügt über drei Glocken (Durchmesser: 87 cm, 77 cm, 73 cm).
Das Uhrwerk wurde vor einigen Jahren instand gesetzt. Es ist noch im Original erhalten, wird aber durch elektronisches Aufziehen der Gewichte (Rückseite er Kirche) und durch eine Funkuhr zur Zeitkorrektur unterstützt.
Die Kirche misst in der Länge 19,70m (inkl. Turm) und ist 8,70m breit (am Turm nur 7,30m). Das Schiff ist 11,50m hoch, der Turm 16,30m. Das Mauerwerk ist ca. 90 cm dick, im Turm etwas dünner. Baumaterial sind Sandsteine und vereinzelt Kalksteine.
Text von Adolf Weber, ergänzt und überarbeitet von Pfr. B. Kunstmann, Stand 10.05.2008